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1. Der Weg zum Leben
Psalm 16,11
„Du tust mir kund den Weg zum Leben. Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.“
Dieser kurze Vers, liebe Gemeinde, sagt eine ganze Menge über das Lebensgefühl des Psalmbeters und der Psalmbeterin.
„Du tust mir kund den Weg zum Leben. Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.“
Wer das sagen kann, weiß sich von der Liebe und der Fürsorge Gottes getragen. Wer das sagt, lebt mit der Gewissheit, von der göttlichen Kraft geführt zu werden. Und zwar nicht irgendwohin, sondern zum Leben.
„Du tust mir kund den Weg zum Leben.“
„Wir machen den Weg frei!“
Mit diesem Spruch werben zwei bekannte Banken für ihre Geschäfte. Sie haben vielleicht schon die Plakate oder den Spot im Fernsehen gesehen. Es gilt, auf dem kürzesten Weg in der schnellstmöglichen Zeit das Ziel zu erreichen. Diesem Ziel darf sich nichts in den Weg stellen. Jedes Hindernis, seien es Berge, Flüsse oder Schluchten, jedes Hindernis wird sofort beseitigt, um Umwege und Zeitverlust zu vermeiden. Jeder Umweg ist ein verfehlter Weg und vergeudet nur unnötig Zeit.
„Wir machen den Weg frei.“ Dieser Spruch bringt das Lebensgefühl auf den Punkt, das wir alle gut kennen: Wir haben ein Ziel vor Augen und wollen dieses Ziel so schnell wie möglich erreichen: den Schulabschluss, ein Examen, eine Gesellenprüfung, die Beförderung, unsere Familienplanung. Je schneller wir da sind, umso besser. Und wie schwer es dann ist, wenn die Noten so schlecht sind, dass die Klasse wiederholt werden muss.
Für die Schülerin und den Schüler, aber auch für die Eltern. Wie kompliziert alles wird, wenn man feststellen muss: Mein Studium macht mir keinen Spaß, ich habe mich für das falsche Fach entschieden. Oder wenn ich am liebsten meine Lehre abbrechen will, weil mir dieser Beruf einfach nicht gefällt – obwohl es ein solches Glück war, überhaupt eine Lehrstelle zu finden. Wie schwer es ist zu akzeptieren, wenn ich für bestimmte Entscheidungen oder Entwicklungen einfach länger brauche als die anderen um mich herum. Wenn es in meinem Leben viel mehr Sackgassen gibt als bei meiner Freundin, wenn ich auf meinem Lebensweg viel mehr Umwege gehen muss als mein Kollege. Geradlinig soll unser Lebensweg verlaufen, direkt hin zum Ziel. Und geradlinig stellen wir ja auch unseren Lebenslauf dar, wenn wie etwa für eine Bewerbung schreiben müssen: geboren, Schule, Ausbildung oder Studium, Examen, Gesellenprüfung, Heirat, und und und. Geradlinig beschreiben wir auch den Lebenslauf, wenn wir am Ende eines Lebens, bei der Beerdigung, noch einmal in der Erinnerung den Lebensweg der oder des Verstorbenen nachgehen. Geradlinig von der Geburt bis zum Tod. Ein solches Bild vom Leben eines Menschen, ein geradliniger Lebensweg, hat einen Anfang und ein Ende, einen Start und ein Ziel. Aber keine Mitte, kein Zentrum, um das dieses Leben kreist.
Ganz anders, liebe Gemeinde, ist es beim Labyrinth. Eines der bekanntesten befindet sich in der Kathedrale von Charte. Das Labyrinth ist ein uraltes religiöses Symbol für den Lebensweg des Menschen. Für einen Weg, der eben nicht wie eine gerade Linie verläuft, sondern kreisförmig, vor und zurück, in verschiedenen Richtungen, aber immer um die eine Mitte kreisend. Und diese Mitte, in Chartre dargestellt als eine Rose aus Marmor, diese Mitte ist das Ziel unserer Sehnsucht. In der Mitte finden wir das, was unser Leben trägt und hält. Das Labyrinth bringt – wie kein anderes Symbol – die Sehnsucht der Menschen nach Erfüllung zum Ausdruck, die Suche nach sich selbst und damit nach Gott.
„Du tust mir kund den Weg zum Leben. Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.“
Der Weg zum Leben, von dem unser Predigtwort spricht, führt in diese Mitte: zur Freude in Fülle und zur Wonne an der Seite des Göttlichen. Solche Freude erleben wir, wenn wir in der Mitte angelangt sind, wenn wir ganz bei uns sind, ganz bei Gott, wenn wir uns eins spüren mit der Welt und unserem Grund.
Dort, in der Mitte, ist alle Angst, Beklemmung und Dunkelheit vorbei. Es ist gut, dort zu sein. Aber wie kommen wir dahin? Nicht auf dem kürzesten Weg, liebe Gemeinde. Im Labyrinth gibt es keinen geradlinigen Weg, vielmehr sind die Wege lang, weil es viele Umwege gibt. Und so soll es auch sein. Machen wir uns also auf den Weg! Unten ist der Eingang zum Labyrinth. Wir gehen hinein und schon nach nur einer Schleife sind wir ganz nahe dran an der Mitte. Vielleicht so, wie die Kinder am Beginn ihres Lebensweges.
Ein Kind, das seinen Lebensweg beginnt, lebt noch ganz aus der eigenen Mitte, ganz aus sich selbst. Es spürt alle seine Bedürfnisse und äußert sich auch sofort, getragen von dem Vertrauen, versorgt zu werden. Ein Kind zeigt seine Gefühle unverstellt. Es bringt Zuneigung zum Ausdruck, lässt aber auch sehen, wenn es jemanden nicht mag – was für uns Erwachsene manchmal gar nicht so einfach ist. Kinder leben unverstellt. Aber je älter wir werden, je länger wir auf unserem Lebensweg unterwegs sind, umso weiter entfernen wir uns wieder von der Mitte.
Wir kommen auf Wegstrecken, wo wir nicht mehr weiter wissen, wo uns Dunkel umgibt und wir verzweifeln, weil wir das Ziel aus den Augen verloren haben. Da hat eine zig Bewerbungen losgeschickt und wartet jeden Morgen in fast unerträglicher Spannung auf den Briefträger. Kommt heute eine Antwort? Und wenn ja, ist es wieder eine Absage oder bekommt sie endlich eine Stelle? Ein Mann wartet auf das Ergebnis des Labors. War der Tumor gutartig oder nicht? Da geht die erste große Liebe zu Ende, die Freundin hat ihn verlassen, wegen eines anderen. Das sind Zeiten, in denen wir kein Land mehr sehen und Angst haben, dass wir nie mehr froh werden. Zeiten, in denen wir daran zweifeln, dass das alles einen Sinn hat. Aber die Mitte ist da, auch wenn wir sie nicht sehen können.
Und weiter gehen wir und kommen auf Wege, wo wir mühelos und gelassen ausschreiten. Das sind die Zeiten, in denen wir zufrieden unser Leben leben. Es gelingt uns, uns an Kleinigkeiten zu freuen und uns nicht verrückt machen lassen, weder von den Launen der Chefin noch vom Genörgel der Kinder oder dem üblichen Kleinkrieg, der uns sonst fix und fertig machen kann. Nein, wir freuen uns unseres Lebens, machen uns keine tiefschürfenden Gedanken über unser Woher und Wohin, weil’s uns einfach wohl ist in der Gegenwart.
Nach der nächsten Biegung sieht es leider anders aus. Da beginnt die schwierige Lebensstrecke, die wir modern die „Midlife crisis“, die Krise in der Lebensmitte, nennen und die Frauen und Männer gleichermaßen treffen kann. Sie trifft meistens genau dann ein, wenn Frau oder Mann es eigentlich geschafft hat. Beruflich ist alles erreicht, was möglich war, eine höhere Position und höheres Gehalt gibt es nicht mehr. Die Kinder sind erwachsen, stehen nun auf eigenen Beinen und gehen aus dem Haus. Man selbst materiell abgesichert, die Kinder selbständig, und ausgerechnet dann, wenn alle Ziele erreicht sind, kommt sie, die Krise, die Depression. Viele beschreiben es so, dass sie das Gefühl haben, in ein dunkles Loch zu fallen, dass sie sich innerlich total leer fühlen. „Ich habe immer nur gearbeitet, nie Zeit gehabt für mich selbst, ich war immer nur für die anderen da. Über mich und mein Leben hab ich mir eigentlich nie Gedanken gemacht. Und das soll jetzt alles gewesen sein?“
Wenn man denkt, es eigentlich geschafft zu haben in der Lebensmitte, dann ist man oft am weitesten von der Mitte entfernt. Aber diese Krise ist auch eine Chance. In den „Wechseljahren“ kann ein Wechsel der Lebensrichtung stattfinden, Umkehr ist möglich.
Weg von anderen, weg vom Äußeren, hin zu sich selbst, hin zur Mitte. Wir brauchen nicht mehr immerfort zu säen, wir können beginnen zu ernten und gelassen von unserer Erfahrung zu leben.
Unterwegs im Labyrinth weiß man meistens nicht, wo man ist. Ob das Ziel nahe ist oder noch fern. Aber kurz bevor wir in der Mitte ankommen, müssen wir erst noch einmal ganz an den äußeren Rand. Das beschreiben Menschen, die einen therapeutischen Prozess durchleben, etwa so: „Ich habe gedacht, jetzt hätte ich endlich gelernt, mit meiner Essstörung umzugehen und dann überfällt sie mich noch einmal mit einer solchen Wucht, als wären die vergangenen fünf Jahre Therapie nie gewesen.“ Das beschreiben auch Menschen, die eine Trennung durchleben müssen: „Ich dachte, ich wäre endlich darüber hinweg, aber jetzt hat mich der ganze Schmerz, meine ganze Sehnsucht noch einmal so überfallen.“ Und auch beim Krankheitsverlauf geht der endgültigen Heilung oft eine schlimme Krise voraus. Der Weg hin zur Mitte ist kein geradliniger. So ist unser Leben nicht.
Und oft genug erleben wir unser Leben nicht einmal als Labyrinth. Wenn Sie zu Hause einmal einen Stift nehmen und den Weg des Labyrinths nachzeichnen, dann werden Sie feststellen, dass es in einem Labyrinth nur einen einzigen Weg hin zur Mitte gibt, zwar einen verschlungenen, aber eben einen. Unsere Erfahrung ist oft vielmehr, dass unser Leben einem Irrgarten gleicht. Wir landen in Sackgassen, rennen gegen eine Wand, kommen weder vor noch zurück.
Wir verlieren uns, verlieren unsere Richtung, wissen nicht mehr, wohin wir eigentlich gehören. Laufen weiter, denken, wir hätten den richtigen Weg gefunden und stellen dann fest, dass wir doch nur im Kreis gelaufen sind und kein Stück weiter gekommen. Wir tun jahrelang etwas, das wir eigentlich nicht wollen, wir leben mit einem Menschen, den wir nicht lieben, wir tun eine Arbeit, die uns schadet, wir gestehen uns nicht ein, was wir eigentlich wollen. In einem Irrgarten kann man sich für immer und ewig verlieren. Nicht aber im Labyrinth.
Auch im Labyrinth gibt es schwere Wege und Umwege. Auch im Labyrinth gibt es Zeiten, wo die Mitte aus dem Blickfeld geraten ist. Aber, liebe Gemeinde, das Symbol des Labyrinths zeigt sich vom Glauben an einen letzten Lebenssinn gehalten, der jeden Umweg trägt. Wer hier unterwegs bleibt und Schritt für Schritt weitergeht, kann das Ziel nicht verfehlen. Auch auf unübersichtlichen Strecken, wo es keine Orientierung mehr gibt, brauchen wir uns nicht in Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu verlieren. Das Labyrinth lädt ein zur Einkehr und zur Heimkehr in die eigene Mitte. Heimzukommen zu uns selbst, eins zu werden mit uns selbst und unserem Körper, eins zu werden mit der Mitte, die uns hält und trägt.
„Du tust mir kund den Weg zum Leben. Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.“
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
Sabine Bäuerle
2. Meditationvorschlag
Wege gehen
Labyrinthe sind uralte Symbole des Lebensweges. Vielleicht gibt es in deiner Nähe ein Labyrinth – gönne dir die Zeit für einen bewussten Spaziergang darin. Gehe behutsam, im Schweigen, ohne Hektik, ohne Druck, ankommen zu müssen. Der Weg ist das Ziel. Gehe den Weg des Labyrinthes bewusst als ein Bild für deinen Lebensweg. Nimm jede Wendung des Weges wahr, jede kurze Wegstrecke, die rasch wechselnden Richtungen, die langatmigen Strecken.
Beobachte deine Körperbewegungen und Empfindungen. Verbinde den Weg mit dem Gefühl, auf der Reise zu dir selbst zu sein, näher in deine eigene Mitte zu kommen.
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