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Inhalt:
1. Kurze historische Einführung zu Geschichte der Glocke
2. Kleine Glockenrunde
2.01 In Deutschland: Wo hängen die ältesten Glocken?
2.02 Wie bestimmt der Fachmann das Alter einer Glocke?
2.03 Wurden Glocken auch anders gefertigt?
2.04 Die Enstehung von Glockenmusik
2.05 Was hört man, wenn eine Glocke geschlagen wird?
2.06 Warum hört sich eine Glocke schön oder unschön an?
2.07 Sind Glocken nur im kirchlichen Kontext zu finden?
2.08 Welche Bedeutung hat der Glockenklang?
3. Der Guss der Glocke
3.01 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn
3.02 Ein Gebet für die Glocke
3.03 Mathematik, Winkel und Radien
3.04 Glockengießerei - ein hartes Geschäft
3.05 "Belieferte Kunden sind verlorende Kunden"
4. Gott wartet auf uns
5. Für den Dienst gesegnet
6. Gedichte
6.01 "Heute Muss die Glocke werden"
6.02 Weihnachtsglocken
6.03 Glockengeläut
6.04 Liebeserklärung an die Glocken
6.05 Liebe ist die Glocke
7. Rätselrunde
8. Gebet
9. 12.Tag im Advent "Die Glocke"
10. Gottesdienstentwurf
11. Kreative Gestaltungsmöglichkeit
12. Anspiel - "Die Glocke"
12.01 Sprecherszene: Die Glocke "Liebe"
12.02 Sprecherszene: Die Glocke "Hoffnung"
12.03 Sprecherszene: Die Glocke "Glaube"
12.04 Sprecherszene: Die Glocke "Freude"
12.05 Sprecherszene: Die Glocke "Friede"
13. Liedvorschläge
14. Fürbittengebet
15. Download als PDF
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Einleitung Thema „Glocke”
Wozu braucht man Glocken? Wann läuten die Glocken? Wie lange gibt es schon Glocken? Wie werden Glocken geläutet? ...
Die nachfolgenden Texte sind gedacht zum Vorlesen in Familie,
Gemeinde, Schule und Gottesdienst.
01. Kurze historische Einführung zur Geschichte der Glocke
Die Glocken läuten zur Heiligen Nacht, und die Glocken begleiten uns mit feierlichem Geläut ins neue Jahr.
Wir können uns gerade diese hohen kirchlichen Festtage nicht vorstellen ohne den Klang der Kirchenglocken.
Wann mögen die ersten Glocken entstanden sein?
In Europa bringt man den Bischof Paulinus von Nola
in Campanien (um 400) mit der ersten Kirchenglocke
in Zusammenhang, während andere Cäsarius von
Arles (513) und den Papst Sabinianus (604) nennen.
Interessanterweise wurden dies Glocken nicht gegossen, sondern geschmiedet, wodurch sie eine viereckige Gestalt erhielten. Hierher gehören auch die „St. Patricks Bell“ in Belfast (552) und der sogenannte „Saufang“ aus dem städtischen Museum in Köln (613). Zu den ältesten Glocken, die uns bekannt sind, zählen die Glocken aus Drohnsdorf/Anhalt (1098), diejenigen im Dom zu Siena (1149) und die Glocken in der St.-Burkhard-Kirche zu Würzburg (1249).
Hatten sich bis zum 13. Jahrhundert die Mönche mit dem Guß der meist sehr kleinen Glocken befasst, so ging dieses Handwerk später an wenige Gelb- und Rotgießerfamilien über, die die Herstellungsgeheimnisse ängstlich hüteten. Allmählich wuchsen Größe und Gewicht der Glocken, um mit dem „Zar Kolokol“ zu Moskau (1733) das Rekordgewicht von 4000 Zentnern zu erreichen. An weiteren berühmten Glocken sollen hier erwähnt werden: die klangschöne „Maria Gloriosa“ (Erfurter Dom, 1497, 11.400 Kilogramm), die Glocke vom Wiener Stephansdom (1775, 19.800 Kilogramm).
Der berühmte (leider einen Sprung aufweisende) „Big Ben“ auf der Londoner Westminsterabteil stammt erst aus dem Jahre 1853. Die „Deutsche Glocke am Rhein“ (St.-Petrus-Glocke) steht mit ihren 500 Zentnern an 10. (oder 11.) Stelle der Riesenglocken.
Als Material zum Glockenguss (Glockenspeise) wird aus klanglichen Gründen auch heute noch in den meisten Fällen Bronze verwendet. In neuerer Zeit versucht man es mit Gussstahlglocken, die bei gleicher Tonhöhe bis zu 25 Prozent leichter sind als Bronzeglocken, ferner mit Nickel-Aluminium-Legierungen und schließlich mit Porzellan.
Die von der Meißener Porzellanmanufaktur hergestellten Glocken finden seit 1930 besonders gern Verwendung; man kennt sie übrigens in dieser Form seit dem 14. Jahrhundert. Deren berühmtestes Beispiel im Turm von St. Rombaut in Mecheln zählt 46 Glocken. In diesem belgischen Ort befindet sich auch seit über 80 Jahren die einzige Schule der Glockenspieler.
Vom Schlaginstrument zur Glocke
Im Turm der meisten Kirchen hängen große, schwere Glocken. Viele Kirchen haben zwei Glocken. Es gibt aber auch Kirchen, die drei oder vier Glocken haben. Ganz kleine Gotteshäuser besitzen nur eine einzige Glocke.
Glocken sind Metallgefäße, die beim Anschlagen des Pendels läuten. Ganz früher benutzte man im christlichen Raum zunächst Schlaghölzer (mit denen der Abt noch heute Klopfzeichen gibt). Dann erfand man kleine Glocken. Um das Jahr 800 herum hatten sich diese dann im ganzen Abendland – in Stadt und Land – verbreitet.
Zuerst waren die Glocken vollkommen schrift- und schmucklos. Erst nach und nach ging man dazu über, sie mit Inschriften, Namen und Gebeten zu verzieren. Während es um 1200 nur vereinzelt Bibelstellen, religiöse Texte und Verzierungen auf den Glocken gab, wurden sie im späteren Mittelalter immer häufiger.
Vorläufer unserer heutigen Glocken waren Klanginstrumente aus Holz, Ton oder Metall. Sie wurden in vielen Kulturen und Riten benutzt, am frühesten vielleicht in China. Seit dem 9. Jahrhundert vor Christus sind sie in Vorderasien nachgewiesen. Die Instrumente dienten dazu, Zeichen zu geben und Leute herbeizurufen.
Um das Jahr 1200 kamen neben den Kirchturm-Glocken die kleinen Altarglöckchen (Schellen) auf. Sie läuteten bei der Übertragung der Krankenkommunion und bekamen später noch die Aufgabe zugewiesen, auf die Hauptteile der heiligen Messe aufmerksam zu machen.
02. Kleine Glockenkunde
2.1 In Deutschland: Wo hängen die ältesten Glocken?
Gegossene Glocken sind ein faszinierendes Stück Geschichte und Kultur in Deutschland. Die Bad Hersfelder Lullusglocke beispielsweise ist die älteste datierbare Glocke des Landes. Das ist nicht die einzige historische Glocke – die älteste bekannte und vollständig erhaltene Läuteglocke nördlich der Alpen wurde in Schleswig-Holstein im Hafen von Haithabu entdeckt. Die Wikingergründung aus dem 8. Jahrhundert wurde zwar vor 300 Jahren zerstört, aber die Glocke ist bis heute erhalten geblieben und wird auf das Jahr 950 datiert. Damit ist sie sogar 100 Jahre älter als die älteste Glocke in Baden-Württemberg.
Die beiden Silberglocken im Augsburger Dom wurden bereits im Jahr 1070 gegossen. Für das Zeit-Magazin wurde eine Liste der ältesten Glocken Deutschlands zusammengestellt und es sind knapp 400 Glocken aufgeführt, die vor 1311, dem Gussjahr der Bamberger Heinrichsglocke, entstanden sind. Trotz der großen Verluste, die vor allem durch Kriege entstanden sind, werden immer noch weitere historische Glocken gefunden. Es ist beeindruckend, wie viel Kultur- und Geschichtsreichtum in diesen Glocken steckt.
2.2 Wie bestimmt der Fachmann das Alter einer Glocke?
Im Idealfall lassen sich aus der Inschrift des Glockengusses das Jahr der Entstehung ableiten. Bei den ältesten Glocken ist dies jedoch nicht der Fall, daher wird meist anhand von Vergleichen mit anderen Exemplaren, der Herstellungstechnik und dem historischen Kontext des Fundorts ein ungefährer Zeitraum ermittelt. Dabei können jedoch auch Fehler passieren oder Jahrzehnte später neue Erkenntnisse gewonnen werden.
Im vorliegenden Fall der Bürgli-Glocke hatte man das Alter der Glocke nach einer Ausgrabung vor 25 Jahren falsch eingeschätzt. Der ehemalige Glockeninspektor der Erzdiözese Freiburg, Kurt Kramer, stieß bei seinen Recherchen auf das Exemplar. Gemeinsam mit Archäologen und Restaurierungsspezialisten wurde eine Materialanalyse durchgeführt, die zu dem jetzigen Ergebnis führte. Die Glocke wurde wahrscheinlich in der Mitte des 11. Jahrhunderts im Kloster Reichenau gegossen und in einer Kapelle am Dorfrand von Gailingen aufgehängt.
2.3 Wurden Glocken auch anders gefertigt?
Während des frühen Mittelalters wurden Glocken aus Eisenblechen hergestellt, die von iroschottischen Mönchen auf ihren Missionsreisen auf den europäischen Kontinent gebracht wurden. Ein solches Exemplar, welches aus dem achten oder neunten Jahrhundert stammt, ist in Köln erhalten geblieben und im Museum Schnütgen aufbewahrt. Diese Glocke, bekannt als Saufang, hing über viele Jahrhunderte in der Stiftskirche St. Cäcilien, wo sich heute das Museum befindet. Obwohl sie keine harmonischen Klänge erzeugen, sondern eher wie ein Kochtopf klingen, waren sie dennoch als Signalgeber von großer Bedeutung.
2.4 Die Entstehung von Glockenmusik
Das Aufeinandertreffen von Metall verursacht einen Klang, der in seiner Schönheit variieren kann. Über die Jahrhunderte haben sich die Glocken in Europa weiterentwickelt und klingen heute anders als zu ihren Ursprüngen im fernöstlichen Bereich, wo sie eher wie Gongs klingen. Die Glocke wurde mit der Christianisierung Europas eingeführt und hat sich von einem akustischen Signalgeber zu einem liturgischen Musikinstrument entwickelt.
2.5 Was hört man, wenn eine Glocke geschlagen wird?
Der Klang eines Instruments ist eine harmonische Einheit aus verschiedenen Teiltönen. Jedes Instrument hat ein einzigartiges Obertonspektrum und einen Prinzipaltonbereich, die sich zu einem Gesamtklang vereinen. Diese Einheit ergibt den Klang, den wir hören. Es ist für jeden faszinierend, diesen Klang analytisch zu untersuchen und herauszuhören.
Neben der akustischen Bedeutung hat das Geläut auch eine historische Bedeutung. Wenn wir alte Glocken hören, hören wir Musik auf Originalinstrumenten. Es ist, als würde jemand auf Elvis Originalgitarre spielen. Die Erfurter Gloriosa, die Martin Luther gehört hat, ist ein Beispiel dafür. Es ist faszinierend zu sehen, dass in Kirchen immer noch die originalen Glocken hängen, die bei der Erbauung verwendet wurden. Obwohl dies heutzutage selten ist, gibt es einige wenige Geläute, die über Jahrhunderte gewachsen sind und noch immer in ihrer ursprünglichen Form existieren.
2.6 Warum hört sich eine Glocke schön oder unschön an?
Die Beurteilung des Glockenklangs ist subjektiv und hängt vom individuellen Geschmack ab. Manche bevorzugen einen durchsichtigen, hohen Klang, während andere eine weichere, breiige Variante bevorzugen. Selbst dissonante Glockentöne können ihren Reiz haben, insbesondere wenn sich nahe beieinander liegende Teilfrequenzen reiben und miteinander interagieren. Die Penetranz des Klangs kann jedoch den Genuss beeinträchtigen und ihn unangenehm machen. Die Qualität des Glockenklangs hängt auch von der Intonation und dem Klöppel ab, es kann sein, dass sie durch einen minderwertigen Klöppel ihren schönen Klang verliert.
Die Beurteilung von angenehmem und unangenehmem Klang hängt von individuellen Präferenzen ab. Ein guter Glockenklang sollte jedoch einen durchdringenden Ton haben, der von Anschlag zu Anschlag durchzieht und im Idealfall kaum wahrnehmbar ist. Der Klang einer Großglocke ist sehr tragend und weitreichend. Das macht ihre enorme Wandstärke möglich, denn sie wiegt auch schon mal über sechs Tonnen. Dadurch ist viel Masse in Bewegung und auch viel Masse, die vibriert, wodurch ein ganz besonderer Klang entsteht.
2.7 Sind Glocken nur im kirchlichen Kontext zu finden?
Weltliche Glocken finden sich nicht nur im sakralen Kontext, sondern auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. Man denke beispielsweise an den Glockenturm des historischen Rathauses in München oder an Glocken, die als Mahnmale an Orten der Erinnerung aufgestellt sind. Auch in Parks oder auf Berggipfeln können weltliche Glocken zu finden sein. Selbstverständlich ist die größte Anzahl an Glocken in Kirchtürmen zu finden. Allerdings ist anzumerken, dass einige dieser Glocken früher im Besitz der Stadt waren und eine weltliche Funktion erfüllten, wie beispielsweise die Feuerglocke, die Sturmglocke oder die Ratsglocke.
2.8 Welche Bedeutung hat der Glockenklang?
Glockenklänge haben eine immense Kraft, unsere Stimmungen zu verstärken und zu unterstützen. Ob Freude, Trauer, Verzweiflung oder Vertrauen, jede Art von Musik kann uns tief berühren. Besonders das Glockengeläut in der Kirche ist für mich eine Einladung zur Teilnahme am Gottesdienst und eine Ermahnung zum Gebet. Es erinnert uns daran, dass Gott uns auch im Alltag begleitet und wir jederzeit seine Nähe spüren können.
Doch es ist auch von großer Bedeutung, Glocken vernünftig liturgisch einzusetzen. Wenn eine Kirche Glocken im Turm hängen hat, sollten sie bewusst eingesetzt werden, um eine klare Abstufung zwischen Werktag, Sonntag und Hochfest zu schaffen. So können wir ihre Botschaft bewusst wahrnehmen und uns auf das, was kommt, einstellen.
Das Empfinden beim Glockenläuten ist sehr subjektiv und jeder interpretiert es anders. Während einige es mit Spiritualität oder Religion verbinden, ist es für andere einfach nur Musik oder sogar störend. Das liegt daran, dass Glocken eine nonverbale Botschaft senden, im Gegensatz zum Muezzin, der eine klare verbale Botschaft hat. Eine Glocke läutet abstrakt und die Botschaft muss erst entschlüsselt werden. Doch gerade das macht ihre Schönheit aus, denn es wird keine Dogmatik damit beschrieben. Ob evangelisch oder katholisch, die Glocke ist einfach nur ein Symbol für die Botschaft, die dahintersteckt.
03. Der Guss einer Glocke
Glocken werden üblicherweise in einer Form gegossen. Bei diesem Prozess wird die Grube, in welcher die Glockenformen platziert werden, mit Erde verfüllt und sorgfältig komprimiert, um den entstehenden Druck beim Gießen standzuhalten. Ein unvergessliches Erlebnis ist ein Besuch in der weltweit ältesten Glocken- und Kunstgießerei Rincker im mittelhessischen Ort Sinn. Hier werden Kirchenglocken noch auf die gleiche Art und Weise gegossen wie vor tausend Jahren. Kirchenglocken sind bekannt für ihren charakteristischen Klang, der über ganze Stadtgebiete hinweg zu hören ist, sei es hell oder dunkel, fröhlich oder mahnend. Um diesen Klang zu erzeugen, müssen sie aus einem besonderen Metall hergestellt werden. Doch trotz des Fortschritts im Jahr 2022 ist das Glockengießen immer noch ein traditionelles Handwerk und keine Hightech-Angelegenheit.
3.1 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn
Wer die Werkstatt der Glocken- und Kunstgießerei Rincker im beschaulichen Ort Sinn in Mittelhessen betritt, weiß sofort: Hier wird Geschichte geschrieben. Der Familienbetrieb besteht seit 1590 und ist laut Mitinhaber Fritz Georg Rincker (57) nicht nur die älteste Glockengießerei in Europa, sondern weltweit sogar die älteste ihrer Art. Denn das Londoner Unternehmen Whitechapel Bell Foundry, welches bislang diesen Rekord hielt, wurde im Jahr 2017 geschlossen. In der Werkstatthalle von Rincker herrscht ein urtümliches Flair.
Der kreisrunde Schmelzofen, welcher unter Neonröhren fauchend seit den frühen Morgenstunden brodelt, schmilzt rund 500 Kilo Metall ein. Keine Goldbarren, sondern Barren aus Kupfer und Zinn, die bei Temperaturen von 1.100 Grad Celsius flüssig werden. „78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn - diese Glockenbronze ist die ideale Legierung für jede Glocke“, erzählt Fritz Georg Rincker, der den Familienbetrieb mit seinem Bruder Hanns Martin führt.
Zunächst wirkt alles unspektakulär: Die drei Kirchenglocken, die an jenem Freitag gegossen werden sollen, sind nicht zu sehen. Vom Schmelzofen führen drei etwa 20 Zentimeter breite, gemauerte Kanäle zur Gießgrube, in die aus Lehm gebrannte Formen der Glocken tief eingegraben sind. „Fest gemauert in der Erden – steht die Form, aus Lehm gebrannt“, wie schon Friedrich Schiller in seinem „Lied von der Glocke“ schrieb.
3.2 Ein Gebet für die Glocke
Die kleinste der drei Glocken ist mit einem Gewicht von „nur“ 78 Kilogramm für den Amtssitz des evangelischen Militärdekans in Berlin bestimmt. Die zweite Glocke, die ein Gewicht von 162 Kilogramm aufweist, wird in der Evangelischen Dorfkirche Lichterfelde in der brandenburgischen Stadt Baruth/Mark erklingen. Die dritte Glocke, die eine Schwere von 321 Kilogramm hat, geht an eine katholische Kirche in der sächsischen Kleinstadt Reichenbach in der Oberlausitz. Etwa 20 Gemeindemitglieder der Pfarrei Sankt Marien aus Reichenbach im Vogtland sind anwesend, um gemeinsam mit ihrem Pfarrer Josef Reichl zu beten. Mit umgelegter Stola bittet er: „Allmächtiger Gott, Herr des Himmels und der Erde, segne dieses flüssige Metall, das wir nun für den Guss einer Glocke verwenden werden, die deinen Namen tragen wird.“
Es ist 11.00 Uhr morgens und endlich ist es soweit. Der hydraulisch betriebene Schmelzofen wird schräg gekippt und das glühend heiße, flüssige Metall ergießt sich in den ersten Kanal. Leuchtend orange wie ein Lavastrom plätschert es in die unterirdische Glockenform aus Lehm, bei der millimetergenau das ausgespart ist, was später die Metallglocke werden wird.
Vier Mitarbeiter in Schutzanzügen, mit roten Helmen und Visieren vor den Augen, stehen auf der festgetretenen Erde. Einer von ihnen zieht die erste Eisenstange heraus und das flüssige Metall fließt funkensprühend und laut gurgelnd in die unterirdische Form. Als das Metall unter der Erde verschwindet, herrscht unter den Anwesenden andächtige Stille.
Der Vorgang wird bei der zweiten und der dritten Glocke wiederholt.
3.3 Mathematik, Winkel und Radien
Es dauert zwischen sechs und acht Wochen, um die Lehmformen für die Glocken herzustellen. Der Guss der drei Metallglocken selbst ist in nur fünf Minuten abgeschlossen. „Sehr geehrte Damen und Herren - das war‘s!“, sagt Fritz Georg Rincker. Der einst fruchtbare Boden des Gießplatzes sieht nun aus wie ein verlassenes, verbranntes Lagerfeuer. Pfarrer Reichl beginnt das Lied „Lobet den Herren“ zu singen. Für den Familienbetrieb Rincker ist Glockengießen kein gewöhnliches Handwerk. Vor dem Firmengebäude erhebt sich eine zwei Meter hohe Christusfigur mit ausgebreiteten Armen. „Die Glocken werden auf die gleiche Weise hergestellt wie vor 1.000 Jahren, als sie von wandelnden Mönchen nach Europa gebracht wurden“, erklärt Rincker. Die Mönche hatten das Glockengießen in Asien kennengelernt. Jede Glocke hat eine bestimmte Wandstärke, die ihren Ton beeinflusst. „Selbst Millimeterbruchteile in der Wandstärke können den Ton verändern“, sagt Rincker, der seit 32 Jahren im Familienbetrieb arbeitet. Aber wie berechnet man den Ton? Das sei ein „Gießergeheimnis“, das von Generation zu Generation weitergegeben werde - inzwischen in der 14. Generation bei Rincker. Nur so viel: Es geht um Mathematik, Winkel und Radien. Die Glocken werden auf einen Sechzehntel Halbton genau gegossen. Aber: „Den Ton, den man hört, gibt es gar nicht“, sagt Rincker. „Es ist eine Mischung aus verschiedenen Tönen.“ Es wird berechnet, an welcher Stelle die Glocke wie stark sein muss, damit sich die entsprechenden Teiltöne bilden.
3.4 Glockengießerei – ein hartes Geschäft
Nachdem die Glocken gegossen wurden, müssen sie mindestens 24 Stunden in der Erde abkühlen. Erst nach drei Tagen werden die abgekühlten Glocken von den Mitarbeitern ausgegraben und aus der Grube gehievt. Der Kern, der aus Lehm besteht, muss entfernt werden, bevor die Glocke aufgestellt und angeschlagen wird - der Höhepunkt des Prozesses. Anschließend werden die einzelnen Teiltöne mit einer Stimmgabel „abgeprüft“.
Rincker, ein Unternehmen, das seit 1590 Glocken gießt, hat bereits über 20.000 große Glocken hergestellt. Zahlreiche Glocken des Großen Stadtgeläuts in Frankfurt am Main und der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin stammen von Rincker. Allerdings lockt das Renommee des Unternehmens auch Diebe an. Im Juni 2022 drangen Unbekannte in die Glocken- und Kunstgießerei ein und stahlen hochwertige Metalle, Glocken und Kunstwerke - offenbar professionelle Metalldiebe, so Rincker.
Unabhängig von diesem schockierenden Ereignis ist Glockengießen heute kein profitables Geschäft mehr. Die Metallpreise sind in letzter Zeit stark gestiegen, was dazu führt, dass immer mehr Glockengießereien aufgeben, da sie keine Aufträge haben. Heute gibt es in Deutschland neben Rincker nur noch zwei weitere Glockengießereien, während es 2015 noch fünf waren.
3.5 „Belieferte Kunden sind verlorene Kunden“
Glocken, die heutzutage gegossen werden, haben eine nahezu ewige Lebensdauer, wie Rincker betont. Statistiken zeigen, dass sie im Durchschnitt etwa 360 Jahre überdauern, wobei Kriege, die Glocken schmelzen ließen, hierbei berücksichtigt sind. In Anbetracht dessen, dass während Kriegen zahlreiche Glocken eingeschmolzen wurden, um Waffen daraus zu fertigen, werden heute nur noch vier bis fünf Glocken pro Jahr gegossen. Wenn jemand eine Glocke kauft, kann er sich in der Regel darauf verlassen, dass er lange Zeit keine weitere benötigt. Rincker erklärt dazu lapidar: „Belieferte Kunden sind verlorene Kunden“. Der Betrieb, der etwa 20 Mitarbeiter beschäftigt, verdient heute zwar auch Geld mit der Herstellung von Glocken, der Wartung, Pflege und Reparatur von Glockenanlagen, jedoch hauptsächlich mit der Kunstgießerei.
Einige seiner bekanntesten Werke sind eine lebensgroße Bronzestatue von Elvis Presley in Bad Nauheim sowie der neu designte Bundesadler für das damalige Außenministerium unter Joschka Fischer. Rincker nutzt heutzutage einige 3D-Drucker, jedoch nicht für Glocken. Diese werden immer noch auf die traditionelle Art und Weise gegossen, wie es seit tausend Jahren und auch zu Schillers Zeiten der Fall war.
04. Gott wartet auf uns
Glocken läuten vor allem an Sonntagen. Sie erinnern uns daran, dass wir zum Gottesdienst kommen sollen, um dort mit Gott zu sprechen und ihn zu loben und zu preisen. Die Glocken rufen uns zu: „Kommt zur Kirche, kommt alle! Gott wartet auf euch! Er will mit euch in seinem Haus zusammen sein!“
Eine Viertelstunde vor Beginn des Gottesdienstes rufen uns die Glocken zur Kirche. Und auch während des Gottesdienstes hören wir ihren Klang: In den evangelischen Kirchen während dem „Vaterunser“-Gebet und in den katholischen Kirchen läutet die Wandlungsglocke, wenn der Priester wie Jesus die Wandlungsworte spricht: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. – Das ist mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden!“
Ferner läuten Glocken, wenn sie Menschen zu Hause zum Beten einladen wollen. An vielen Orten läuten morgens, mittags und abends oder auch nur einmal am Tag (mittags um 12:00 h) die Kirchenglocken. Dazu beten gläubige Menschen den „Engel des Herrn“. Man nennt dieses Läuten auch das Angelus-Läuten.
Der „Engel des Herrn“ (lateinisch: Angelus) ist ein Gebet, das aus dem 14. Jahrhundert stammt. Es besteht aus drei „Gegrüßet seist du, Maria“, denen je ein Wort und eine Antwort vorausgehen. Das Gebet will uns daran erinnern, dass Jesus Mensch geworden ist, um die Welt zu erlösen. Glocken läuten auch, wenn sie Freude oder Trauer zum Ausdruck bringen wollen, etwa bei einer Prozession, bei hohen Festen, wenn der Priester mit den Ministranten feierlich in die Kirche einzieht oder bei kirchlichen Bestattungen mit einem Trauergottesdienst.
Zum Läuten der Totenglocke formte der Dichter Friedrich
von Schiller (1759 – 1805) die Verse:
„Vom dem Dome schwer und bang
tönt die Glocke Grabgesang,
ernst begleiten ihre Trauerschläge
einen Wandrer auf dem letzten Wege.“
Auch bei drohenden Unwettern läuten mancherorts die Kirchenglocken. Bei Sturm-, Wasser- und Feuergefahr erinnert sie die Menschen daran, Gott zu bitten, er möge sie vor Schäden und Unheil bewahren.
Und um Mitternacht zwischen Silvester und Neujahr begrüßen die Glocken von allen Kirchen das neue Jahr. Sie wollen uns nachdenklich machen und auf die verrinnende Zeit hinweisen. Sie wollen uns sagen, dass wir die Zukunft ganz in Gottes Hände legen sollen.
05. Für den Dienst gesegnet
Wie wichtig Glocken sind, zeigt sich unter anderen daran, dass sie eigens für ihren Dienst gesegnet werden. Diese Segnung nimmt in einer katholischen Kirchengemeinde sehr oft der Bischof, der Leiter einer Diözese, vor. Der Bischof besprengt die Glocke mit Weihwasser, hüllt sie in Weihrauch und salbt sie mit Öl. Dazu spricht er Gebete, Lesungen und Fürbitten.
Im Kirchturm aufgehängt, sind die Glocken das Schmuckstück einer jeden Kirche. Leider wurden sie in der Vergangenheit immer wieder für den Krieg missbraucht. Denn genauso wie Kanonen sind Glocken aus Erz gegossen. Wenn eine Kriegsmacht Kanonen brauchte, holte sie die Glocken aus den Kirchtürmen und schmolz sie zu Kanonen um. Kurt Kramer, Glockensachverständiger des Erzbistum Freiburg und Vorsitzender des Beratungsausschusses für das Deutsche Glockenwesen, schreibt: „In Zeiten, in denen sich die Menschen von Gott entfernten- entfernten sie die Glocken aus ihren Türmen – fertigten sie aus Künderinnen des Friedens teufliche Waffen – vertrieben sie mit teuflichen Waffen die Freiheit aus friedlichen Landen – wandelten sie Klänge der Harmonie in tödlichen Kanonendonner – verschwanden mit den Glocken Freiheit, Menschenrechte und Menschenwürde“.
Wir wollen hoffen, dass diese Zeiten vorbei sind und nie wiederkehren. Denn Zeiten ohne Glocken sind immer Zeiten ohne Gott und gottlose Zeiten stets glockenlose Zeiten. Das sagt auch Reinhold Schneider (1903 – 1958), der bekannte deutsche Schriftsteller, in seinem Buch „Das Inselreich“ (1936): „Verlieren die Glocken ihre Gewalt über den Lärm, die Türme die Herrschaft über die Dächer, so ist keine Hoffnung und kein Leben mehr.“ Glocken nennt man auch die „Stimme des Himmels“. Sie sagen uns, „was es geschlagen hat“. Wir wollen uns gern von ihnen rufen und zum Beten einladen lassen. Beten wir mit, wo wir auch sind! Lassen wir nicht nach, Gott die Ehre zu geben!
Dr. Reinhard Abeln
06. Gedichte
6.1 „Heute muss die Glocke werden“
Fest gemauert in der Erden,
steht die Form aus Lehm gebrannt.
Heute muss die Glocke werden!
Frisch, Gesellen, seid zur Hand!
Von der Stirne heiß,
rinnen muss der Schweiß,
soll das Werk den Meister loben;
doch der Segen kommt von oben.
aus Friedrich Schiller, „Die Glocke“
6.2 Weihnachtsglocken
Süßer die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit, ´s ist, als ob Engelein singen wieder von Frieden und Freud, wie sie gesungen in seliger Nacht, wie sie gesungen in seliger Nacht! Glocken mit heiligem Klang, klingt doch die Erde entlang. O, wenn die Glocken erklingen schnell sie das Christkindlein hört, tut sich vom Himmel dann schwingen, eilet hernieder zur Erd, segnet den Vater, die Mutter, das Kind, segnet den Vater, die Mutter, das Kind! Glocken mit heiligem Klang, klingt doch die Erde entlang. Klinget mit lieblichem Schalle über die Meere noch weit, dass sich erfreuen doch alle seliger Weihnachtszeit! Alle aufjauchzen mit einem Gesang, alle aufjauchzen mit einem Gesang! Glocken mit heiligem Klang, klingt doch die Erde entlang.
Friedrich Wilhelm Kritzinger (1816 – 1890)
6.3 Glockengeläut
Weil wir in den Tempel Gottes treten sollten,
so lasst uns zunächst von der Glocke reden,
welche uns dahin ruft!
Mir scheint es wunderbar und bemerkenswert,
dass eine Kunst erfunden wurde,
durch einen Klöppelschlag
in einer und derselben Sekunde
in 1000 verschiedenen Herzen
eine und dieselbe Empfindung zu wecken.
Dass man also Wind und Wolken zwang,
sich mit unseren Gedanken zu beladen.
Francois-René de Chateaubriand (1768 – 1848)
Im Glockengeläut
berührt sich die Zeit
immer wieder mit ihrem Gegenpol,
der Nichtzeit,
und das ist die Ewigkeit.
Werner Bergengruen (1892 – 1964)
6.4 Liebeserklärung an die Glocken
Lieber Vater! In der Zelle wird man hellhörig. Die Ohren nehmen dort mehr wahr als die Augen. Den Turm des Ulmer Münsters konnten wir nicht sehen, aber umso eindrucksvoller seine Glocken hören. Was sie uns zurufen, kann nur ihr Klang wiedergeben, es ist nicht in Worte zu übersetzen. Die Münsterglocken waren das Jenseits der Zelle, verbindend, nicht trennend, tröstend, nicht verletzend. Sie bewegen die Luft, und die Wellen hoben uns über die Gitter weg, hinaus in die Welt.
Geschwister Hans und Sophie Scholl, Brief aus dem KZ in Ulm
6.5 Liebe ist eine Glocke
Liebe ist eine Glocke,
welche das Entlegendste
und Gleichgültigste
widertönen lässt
und in eine besondere Musik
verwandelt.
Gottfried Keller (1819 – 1890)
Wenn ich in den Sprachen
der Menschen
und Engel redete,
hätte aber die Liebe nicht,
wäre ich dröhendes Erz
oder eine lärmende Pauke.
Apostel Paulus (1 Kor. 13,1)
07. Rätselrunde
Fragen und Antworten
Wo befindet sich die größte Glocke der Welt?
a) Moskau
b) Erfurt
c) London
d) Rom
Antwort: a) Moskau. Die Glocke „Zar Kolokol“ wurde 1733
gegossen, ist 5,8 m hoch und wiegt 181 Tonnen.
Sie steht in
der Nähe des Kremls.
Seit wann läuten die Glocken zu Gebet und Gottesdienst?
a) Schon zu Zeiten Jesu
b) Um das Jahr 100
c) Um das Jahr 400
d) Um das Jahr 1000
Antwort: c) Um das Jahr 400. Die beiden Bischöfe Severus von Neapel und Paulinus von Nola sowie der Kirchenlehrer Hieronymus werden mit der Einführung in Verbindung gebracht. Die breite Verwendung setzte sich erst unter den Päpsten Gregor der Große und Stephan IV. im 7./8. Jahrhundert durch.
Wie heißt der Verfasser des Romans
„Der Glöckner von Notre-Dame?“
a) Francois Villon
b) La Rochefoucauld
c) Victor Hugo
d) Guy de Maupassant
Antwort: c) Victor Hugo. Der französische Dichter, Haupt der französischen Romantik, lebte von 1802 bis 1885.
08. Gebet
Himmlischer Vater,
Du Schöpfer aller Gaben und Begabungen,
Du hast Menschen die Kunst verliehen,
aus dem Erz der Erde Glocken zu gießen,
deren Klang uns anrühren,
und auf Dich hinweisen soll.
So kündigen sie uns Deine Ehre
und versammeln uns zu Deinem Dienst.
Gib, dass die Glocken nicht vergeblich rufen,
sondern uns erinnern
an Deine Botschaft der Hoffnung,
der Liebe und des Friedens
durch Jesus Christus. Amen.
Hans Dieter Engelbert © LOGO Buchversand GmbH
09. 12. Tag im Advent "Die Glocke"
Jede Glocke hat ihre Geschichte
Die Glocken läuten zur Heiligen Nacht, und die Glocken begleiten uns mit feierlichem Geläut ins neue Jahr.
Wir können uns gerade diese hohem kirchlichen Festtage nicht vorstellen ohne den Klang der Kirchenglocken.
Wann mögen die ersten Glocken entstanden sein?
In Europa bringt man den Bischof Paulinus von Nola in Campanien (um 400) mit der ersten Kirchenglocke in Zusammenhang, während andere Cäsarius von Arles (513) und den Papst Sabinianus (604) nennen. Interessanterweise wurden dies Glocken nicht gegossen, sondern geschmiedet, wodurch sie eine viereckige Gestalt erhielten. Hierher gehören auch die „St. Patricks Bell“ in Belfast (552) und der sogenannte „Saufang“ aus dem Stätischen Museum in Köln (613). Zu den ältesten Glocken, die uns bekannt sind, zählen die Glocken aus Drohnsdorf/Anhalt (1098), diejenigen im Dom zu Siena (1149) und die Glocken in der St.-Burkhard-Kirche zu Würzburg (1249).
Hatten sich bis zum 13. Jahrhundert die Mönche mit dem Guß der meist sehr kleinen Glocken befasst, so ging dieses Handwerk später an wenige Gelb- und Rotgießerfamilien über, die die Herstellungsgeheimnisse ängstlich hüteten. Allmählich wuchsen Größe und Gewicht der Glocken, um mit dem „Zar Kolokol“ zu Moskau (1733) das Rekordgewicht von 4000 Zentnern zu erreichen.
An weiteren berühmten Glocken sollen hier erwähnt werden: die klangschöne „Maria Gloriosa“ (Erfurter Dom, 1497, 11.400 Kilogramm), die Glocke vom Wiener Stephansdom (1775, 19.800 Kilogramm).
Der berühmte (leider einen Sprung aufweisende) „Big Ben“ auf der Londoner Westminsterabtei stammt erst aus dem Jahre 1853. Die „Deutsche Glocke am Rhein“ (St.-Petrus-Glocke) steht mit ihren 500 Zentnern an 10. (oder 11.) Stelle der Riesenglocken. Als Material zum Glockenguss (Glockenspeise) wird aus klanglichen Gründen auch heute noch in den meisten Fällen Bronze verwendet. In neuerer Zeit versucht man es mit Gussstahlglocken, die bei gleicher Tonhöhe bis zu 25 Prozent leichter sind als Bronzeglocken, ferner mit Nickel-Aluminium-Legierungen und schließlich mit Porzellan.
Die von der Meißener Porzellanmanufaktur hergestellten Glocken finden seit 1930 besonders gern Verwendung; die man übrigens in dieser Form seit dem 14. Jahrhundert kennt und deren berühmtestes Beispiel im Turm von St. Rombaut in Mecheln 46 Glocken zählt. In diesem belgischen Ort befindet sich auch seit über 80 Jahren die einzige Schule der Glockenspieler.
10. Gottesdienstentwurf
„Hörst Du nicht die Glocken?“
Liebe Gemeinde! Vielleicht sind Sie bereits mit dem Brauch vertraut, sich zum Jahreswechsel ein biblisches Wort, eine sogenannte „Losung“, als Leitmotiv für das neue Jahr zu wählen. In vielen evangelischen Gottesdiensten wird dieser Brauch gepflegt und ein wechselnder Leitvers aus der Bibel vorgestellt. Ähnlich wie eine Losung, fungiert auch die Widmung unserer tiefsten Glocke auf dem Kirchturm als spiritueller Leitfaden: „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“ (Jer 22, 29) Denn „Christus ist unser Frieden“ (Eph 2, 14).
Jedoch geraten sowohl die Jahreslosung als auch die geistliche Widmung unserer Glocken im Laufe des Jahres oft in Vergessenheit und werden von den täglichen Meldungen und alternativen Wahrheiten überlagert, die uns oft schrill und laut unsere Aufmerksamkeit abringen wollen. Doch die Losung als biblisches Leitwort steht exemplarisch für die gesamte Botschaft der Heiligen Schrift und unsere Glocken erinnern uns täglich daran, innezuhalten und uns auf unsere Spiritualität zu besinnen.
Ein kurzer Moment der Ruhe kann uns helfen, unsere Kräfte neu zu fokussieren und uns in die Schöpfungsordnung Gottes einzubinden. Wenn wir uns bewusst machen, wem wir unser Dasein verdanken, werden wir unsere Lebenszeit anders nutzen - unabhängig davon, ob sie uns reichlich zur Verfügung steht oder knapp bemessen scheint für all unsere Aufgaben.
Woher stammt eigentlich die Tradition des Glockenläutens und wie hat sich dieses christliche Kulturgut im Laufe der Geschichte entwickelt? Bereits seit dem 6. Jahrhundert sind erste Glockenmodelle in der christlichen Kirche zu finden, die zunächst geschmiedet und noch nicht gegossen wurden. Vorläufertypen wie Glöckchen und Schellen gab es bereits in vorchristlicher Zeit, vor allem im Alten Orient. Das Gießen größerer Glocken wurde zunächst in Frankreich und Italien nachgewiesen, wobei sich vor allem der Benediktinerorden der Kunst des Glockengießens annahm. Bis ins 13. Jahrhundert waren Mönche die einzigen zugelassenen Glockengießer, danach entstanden auch weltliche Werkstätten. In dieser Zeit entwickelte sich auch das Amt des Küsters, Mesmers oder Kirchendieners, da zuvor nur Geistliche die feierlich geweihten Glocken läuten durften. Ursprünglich waren Glocken Signalinstrumente, bei denen es auf die Eindeutigkeit und Unverwechselbarkeit ihrer Botschaft ankam. Ihre Namen wie „Posaune Gottes“ oder „große Ruferin“ verdeutlichten dies. Jede Glocke hatte ihre eigene Funktion und erklang nur bei bestimmten Anlässen wie Taufen, Trauungen, Todesfällen oder Gebetsanlässen wie dem Vater Unser.
Ursprünglich war es eine Seltenheit, dass mehrere Glocken gleichzeitig erklangen. Nur zu außergewöhnlichen Anlässen wie dem Besuch von Königen oder Landesherren oder in den Nächten vor den Hochfesten wurde das sogenannte „Schreckläuten“ durchgeführt, das heute nur noch in der Neujahrsnacht üblich ist. Dieses Ritual hatte seinen Ursprung darin, böse Geister zu vertreiben. Daher war es damals kein Problem, wenn die Glocken ursprünglich unterschiedliche Tonhöhen hatten.
Erst im 13. Jahrhundert, als die Musik mehrstimmig wurde und man zwischen wohltönenden und dissonanten Tonintervallen unterscheiden konnte, begann man, den Charakter der Läuteglocke als Musikinstrument zu betrachten. Einige Glocken erhielten intervallmäßig so saubere Tonhöhenabstände, dass im Zusammenklang unterschiedliche musikalische Klänge erzeugt werden konnten, die sich je nach Festzeit des Kirchenjahres oder des Einzelfestes anpassen ließen. Im 15. Jahrhundert wurden viele alte „atonale“ Geläute eingeschmolzen und durch moderne, auf eine Obertonreihe abgestimmte Geläute ersetzt. Dadurch entstanden auch die Glockenspiele, die für jeden Halbton eine passende Glocke besitzen. Wir verdanken dieser Entwicklung die Vielfalt und Schönheit der Glockenmusik.
Bronze hat sich aufgrund ihres klanglichen Potenzials als bestes Material für Glocken erwiesen. Die Legierung besteht aus einer Mischung aus Kupfer und Zinn im Verhältnis von 4 zu 1. Im Laufe der Jahrhunderte weckte die Menge an Bronze, die zur Herstellung von Glocken benötigt wurde, immer wieder Begehrlichkeiten – insbesondere seitens des Militärs. So ließen Herrscher wie Zar Peter der Große oder Napoleon tausende Glocken zu Kanonen umschmelzen. Auch in der deutschen Geschichte gibt es solche Beispiele: Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurden viele Glocken von Kirchtürmen in Deutschland beschlagnahmt und zum „Glockenfriedhof“ in Hamburg transportiert. Viele Gemeinden durften nur die kleinste Glocke im Ort behalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielten viele tiefe Glocken bei den neu angeschafften Geläuten eine Widmung zur Ehre der gefallenen Soldaten. Auch bei uns, in der evangelischen Kirche in Sandhausen, ist dies der Fall. Die zweittiefste Glocke in dem Kirchturm trägt die Inschrift aus dem Philipperbrief: „Für mich ist das Leben Christus und das Sterben Gewinn“ (Phil 1,21). Darunter steht: „Zum Gedenken an alle Gefallenen und Verstorbenen der beiden Weltkriege 1914-1918 und 1939-1945“. Diese Glocke erklingt aufgrund ihrer Widmung einzeln nur beim Totengedenken am Volkstrauertag.
Glocken gelten als mächtige und laute Instrumente und werden wegen ihrer Reinheit geschätzt. Im Mittelalter wurden ihnen überwältigende Wirkungen zugeschrieben, da man ihnen zugetraut hat, zwischen Himmel und Erde zu vermitteln und die Ohren der Himmlischen zu erreichen. Die Menschen haben Glocken dem Lobpreis Gottes gewidmet, und gleichzeitig haben sie sich erhofft, dass ihr Klang sie vor den Übeln der Welt und der ewigen Verdammnis bewahren würde. Glockenklang stand für Trost und Schutz sowie für äußeren und inneren Frieden. Inschriften an den Glocken waren weit mehr als nur dekorative Beigaben, sondern bestimmten Daseinsgrund und Endzweck der Glocken. Aus diesem Grund empfiehlt der aktuelle Glockenprüfer unserer Landeskirche bis heute, dass Glocken entsprechend ihrer Widmungen eingesetzt werden sollten. In der Sandhausener Kirchengemeinde wird die Glocke 3 bei den Läutezeiten am Tag eingesetzt, sie ist die zweithellste Glocke im Turm und trägt das Motto: „Lobet den Herrn! Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding.“ (Ps 147, 1)
Die 4. Gebetsglocke ist die kleinste im Geläut und erklingt vorwiegend während des Gottesdienstes, bei Taufen und Segenshandlungen wie kirchlichen Hochzeiten oder Konfirmationen. Ihre Inschrift lautet: „Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet!“ (Röm 12, 12)
Die Bedeutung von Glocken liegt nicht nur in ihrer Tonhöhe und ihrer religiösen Widmung, sondern auch in ihrer profanen Funktion als Zeitgeber oder Signalgeber. Diese Glocken wurden manchmal in Kirchtürmen installiert, um ihre Reichweite zu erhöhen. Aber auch Stadttore oder Rathaustürme waren Orte, an denen sie zu finden waren. Sie dienten als Warnung vor Gefahren wie Sturm, Feuer oder angreifenden Feinden und wurden auch als Signal für öffentliche Veranstaltungen wie Gerichtstermine, Marktöffnungen oder Verkündungen genutzt.
Wer kennt ihn nicht, den bekannten französischen Kanon: „Bruder Jakob, Bruder Jakob, schläfst du noch? Schläfst du noch? Hörst du nicht die Glocken? Hörst du nicht die Glocken? Ding Dang Dong, Ding Dang Dong.“
In unserer modernen Gesellschaft, in der jeder sein persönliches Ziffernblatt oder einen Chronometer auf dem Display seines Smartphones hat und laute Geräusche und Dauerlärm zur Normalität geworden sind, besteht die Gefahr, dass wir unsere geistliche Ehrfurcht vor der Funktion der Glocken verlieren. Obwohl Kopfhörer uns helfen können, uns vollständig von der Außenwelt abzuschotten und andere akustische und visuelle Signalgeber eingeführt wurden, sind Glockenklänge religiöse Signale, die uns täglich begleiten und uns zum Gebet und zur Gottesbetrachtung auffordern. Sie erinnern uns daran, dass unsere Lebenszeit unverfügbar und geliehen ist. Diese Signale tragen das Evangelium in den Bereich der weltlichen Abläufe und bewahren das Bewusstsein dafür, dass Gott der Herr aller Zeit ist und dass unser Leben mit all seinen Höhen und Tiefen in seinen Händen liegt. Gleichzeitig künden sie davon, dass in Gottes Ewigkeit unsere Zeitabschnitte und -unterteilungen keine Rolle spielen und dass alles von seiner Herrlichkeit umfangen ist.
Lasst uns das Ende des Jahres mit vollem Bewusstsein angehen, indem wir Gott bitten, uns auf unserem Weg zu begleiten. Um uns zu orientieren und unsere Arbeitsprozesse und Lebensabschnitte zu ordnen, benötigen wir klare Unterbrechungen im Strom der Zeit. Doch wir sollten stets darauf achten, dass unser Streben nach Perfektion uns nicht von Gottes erhabener Ewigkeit entfernt. Für mich sind die Glocken unserer Kirchen mächtige Zeitzeugen, die weder beschleunigt noch ihrer geistlichen Funktion beraubt werden dürfen. Wer sie verstummen lässt, beraubt sich selbst eines heilsamen Taktgebers, der Ruhe und Beständigkeit zugleich verkörpert. Mögen die Glocken uns stets feierlich daran erinnern, dass Gott sich tief in unsere Welt eingelassen hat und bis heute bereit ist, sich in unseren Alltag einzuflechten. Amen.
11. Kreative Gestaltungsmöglichkeit
Gedicht: „Glockenklang zur Weihnacht“
Glocken, die zur Weihnacht klingen,
möchten in die Herzen dringen,
dort die Traurigkeit vertreiben,
Glück und Freude mögen bleiben.
Glocken, die zur Weihnacht klingen,
möchten in Erinn‘rung bringen,
was geschah vor ehedem
in dem Stall zu Bethlehem.
Glocken, die zur Weihnacht klingen,
woll‘n die Botschaft überbringen:
Jesus, Gottes Sohn, ist da!
Vernehm es alle, fern und nah!
Ursula Schäfer, Eichen
12. Anspiel – „Die Glocke“
Vorbemerkungen: Aus Pappkarton werden fünf große Glocken ausgeschnitten, bemalt und beschriftet („Liebe, Hoffnung, Glaube, Freude und Friede“).
12.1 Sprecherszene: Die Glocke „Liebe“
(Erster Helfer und vier Kinder bringen die große Glocke „Liebe“ in den Altarraum)
Helfer: Unsere Glocke heißt: Liebe!
1. Paulus schreibt: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in
unser Herz“ (Römer 5,5).
2. Wenn an Weihnachten die Glocke „Liebe“ läutet, dann heißt das: Gott liebt diese Welt und uns. Wir Menschen sollen das auch weitergeben, was Gott für uns getan hat.
3. Die Liebe Gottes ist deutlich geworden in der Geburt des Menschen Jesus Christus. Gott selbst stellt sich an die Seite von Maria und Josef. Gott will als Mensch unter Menschen leben.
4. Gottes Liebe ist die tragende Kraft auf der Wanderschaft unseres Lebens, wenn wir im finsteren Tal und wenn wir oben auf dem Berg sind. Ziel der Liebe ist die Barmherzigkeit, mit der wir andere barmherzig machen.
Helfer: Die Glocke „Liebe“ soll läuten nicht nur zu Weihnachten, sondern immer wieder im ganzen Jahr. Sie erinnert uns jederzeit an die Kraft der Liebe Gottes, die durch Jesus Christus in unser Herz ausgegossen ist. Darum wollen wir sie nun weiterschenken.
(Verteilung der Glocke „Liebe“ und anschließend 1. Strophe
von Kling Glöckchen)
Gemeinde: Kling, Glöckchen, klingelingeling ... Woll‘n heut mit Frohlocken singen mit den Glocken: Eine singt: kündet Liebe, kein Mensch sich betrübe. Kling, Glöckchen, klingelingeling
...
12.2 Sprecherszene: Die Glocke „Hoffnung“
(Zweiter Helfer und vier Kinder bringen die große Glocke „Hoffnung“ in den Altarraum)
Helfer: Unsere Glocke heißt: „Hoffnung“. Hoffnung will sie allen Menschen schenken, vor allem auch den Traurigen und Betrübten.
1. Petrus schreibt: „Gott hat uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung“ (1. Petrus 1,3).
2. Wenn Weihnachten die Glocke „Hoffnung“ läutet, dann heißt das: Gott hat diese Welt nicht aufgegeben.
Er will seine Schöpfung retten. Wir Menschen sollen dabei helfen.
3. Maria und Josef und auch die Könige wussten oft nicht, wie sie auf ihrem Lebensweg ans Ziel kommen sollen. Wir Menschen heute sehen auch häufig keinen Ausweg aus der Notlage.
Wenn es keine Hoffnung gäbe, wären wir hilflos verloren. Wir leben jeden Tag von der Hoffnung.
4. Wir Menschen kennen auch den Zweifel an Gott und seiner Macht in der heutigen Zeit. Wir finden aber Kraft in der Hoffnung, dass Gott es immer gut mit uns meint. Das Läuten der Hoffnungsglocke zu Weihnachten ist stärker als unsere Zweifel. Die Glocke will uns das Vertrauen zurufen - auch in alle Finsternis hinein.
Helfer: Die Glocke „Hoffnung“ läutet nicht nur zu Weihnachten, sie läutet immer wieder im ganzen Jahr. Hoffnung hört nie auf! Hoffnung ist immer eine Bewegung, in der wir mittendrin leben.
Darum wollen wir nun die lebendige Hoffnung mit der Glocke weiterschenken, damit wir Menschen nie die Hoffnung verlieren.
(Verteilung der Glocke „Hoffnung“ und anschließend 2. Strophe von Kling, Glöckchen)
Gemeinde: Kling, Glöckchen, klingelingeling ... Hoffnung will Gott geben, trotz Tod ew‘ges Leben; singt
singt: drum vom Vertrauen, wir auf Christus bauen!
Kling, Glöckchen, klingelingeling
...
12.3 Sprecherszene: Die Glocke „Glaube“
(Dritter Helfer und vier Kinder bringen die große Glocke „Glaube“ in den Altarraum)
Helfer: Unsere Glocke heißt: „Glaube“. Sie bildet den Mittelpunkt. Vom Glauben geht das sinnvolle Leben aus, und auf den Glauben hin ist alles ausgerichtet.
1. Paulus schreibt: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes“ (Römer 10,17).
2. Wenn Weihnachten die Glocke „Glaube“ läutet, dann heißt das: Wir Menschen können gewiss sein, dass Gott bei uns ist, wo immer wir uns befinden. Wir vertrauen darauf: Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden, damit wir selber menschlicher reden und handeln.
3. Maria und Josef, die Hirten und die Könige glaubten der frohen Botschaft von der Geburt des Gottessohnes. Sie sahen Licht und blieben nicht in der Finsternis. Sie kehrten zurück und nahmen Dankbarkeit mit für das tägliche Leben. Sie sahen jetzt ihre Umgebung mit neuen Augen.
4. Glaube kann Berge versetzen, Wunden heilen, Krankheiten als Irrtum erkennen, Beziehungen knüpfen, Grenzen sichtbar machen, Brücken bauen, Vertrauen schaffen, Schuld als Schuld erkennen, Schuld vergeben. Glaube reißt uns aus dem Schlaf der Sicherheit und Gleichgültigkeit.
Helfer: Die Glocke „Glaube“ läutet nicht nur zu Weihnachten, sie läutet immer wieder im ganzen Jahr.
Sie ruft zum Hören auf die frohe Botschaft von Jesus Christus. Sie tönt uns ins Ohr, dass „Glaube“ immer weiterwachsen und in Bewegung bleiben soll. Darum wollen wir nun die Glocke „Glaube“ weiterschenken.
(Verteilung der Glocke „Glaube“ und anschließend 3. Strophe von Kling, Glöckchen)
Gemeinde: Kling, Glöckchen, klingelingeling .... Glaube heißt die Dritte, Gott in uns‘rer Mitte; er wird Kind auf Erden, will singt: unser Nächster werden. Kling, Glöckchen, klingelingeling ...
12.4 Sprecherszene: Die Glocke „Freude“
(Vierter Helfer und vier Kinder bringen die große Glocke „Freude“ in den Altarraum)
Helfer: Unsere Glocke heißt: „Freude“. Sie klingt und schwingt, damit Freude in alle Häuser und Herzen tönt.
1. Wenn Weihnachten die Glocke „Freude“ läutet, dann heißt das: Wir freuen über die freundlichen Gesichter und netten Gesten.
Wir freuen uns über die Geschenke, in denen wir die Zuneigung der anderen Menschen suchen und sehen wollen.
2. Alle Personen in der Weihnachtsgeschichte freuen sich über die Freundlichkeit Gottes. Es schallt das Lob der Engel mitten in der Finsternis der Nacht. Jesus Christus kennt unsere Welt mit Ihrem Licht und ihrem Schatten. Er lässt sein Angesicht leuchten über uns alle.
3. Jesus Christus bringt die Freude: Gott hat mit uns noch etwas vor. Wir sind Kinder Gottes. Wir haben einen, der unsere Sache führt. Gott bleibt bei uns.
Helfer: Die Glocke „Freude“ läutet nicht nur zu Weihnachten, sie läutet immer wieder im ganzen Jahr: bei fröhlichen und bei traurigen Anlässen. Sie ruft uns auf, festzuhalten an der Freude dieser Nacht bis zu dem Tag, an dem alles Freude und Licht sein wird.
Darum wollen wir sie nun zur Freude von uns allen weiterschenken.
(Verteilung der Glocke “Freude“ und anschließend 4. Strophe von Kling, Glöckchen)
Gemeinde: Kling, Glöckchen, klingelingeling .... Glocke vier ruft: Freude! Weihnachten ist heute. Dies woll’n singt: wir bedenken: Freude weiterschenken. Kling, Glöckchen, klingelingeling ...
12.5 Sprecherszene: die Glocke „Friede“
(Fünfter Helfer und vier Kinder bringen die große Glocke „Friede“ in den Altarraum)
Helfer: Unsere Glocke heißt "Friede".
1. Paulus schreibt: „Friede sei mit euch von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus“.
(Römer 1,7)
2. Wenn Weihnachten die Glocke „Friede“ läutet, dann heißt das: Gott hat mit uns Menschen einen neuen Friedensbund geschlossen. Jesus Christus ist der Friedenskönig. Dieser lebte uns vor, was wir in Frieden nachleben sollen.
3. Friede gehört zu der Weihnachtsbotschaft. Die Eltern Maria und Josef, die Engel, die Hirten und die Tiere wenden ihren hoffnungsvollen Blick auf den hin, der Frieden bringt und stiftet: Allen, die sich suchen und finden lassen; allen, die sich die Augen für andere öffnen lassen.
Friede ist für uns heute so wichtig, weil wir so viel Streit und Krieg erleben. Wir legen Hindernisse in den Weg des anderen, statt die Wege freizumachen. Friede bewirkt, dass wir nicht in der Angst voreinander untergehen.
Helfer: Die Glocke „Friede“ läutet nicht nur zu Weihnachten, sie läutet immer wieder. Sie darf eigentlich nie zu läuten aufhören. Sie ist steter Mahnruf. Sie weckt und schreckt auf. Sie fehlt in der christlichen Botschaft nie. Mit ihrem hellen Ton dringt sie durch alle Wände hindurch. Darum wollen wir sie nun auch weiterschenken.
(Verteilung der Glocke „Friede“ und anschließend 5. Strophe von Kling, Glöckchen)
Gemeinde: Kling, Glöckchen, klingelingeling .... Glocke fünf tönt: Friede! Dennoch führ‘n wir Kriege. Herr,singt: Frieden werden überall auf Erden, Kling, Glöckchen, klingelingeling ...
13. Liedvorschläge
„Süßer die Glocken nie klingen ...“, „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (GL 110 / EG 147) sowie EG 538 - „Tragt in die Welt nun ein Licht“, GL 115 - „Wir sagen euch an den lieben Advent“ oder Lied „Heute ist der erste Advent“, (EG) „Seht, die gute Zeit ist nah“ oder „In Kummer, Furcht und Sorgen“, „Du bist das Licht der Welt“, „Nun wollen wir ...“ und „Es leuchtet ein heimliches Strahlen“
14. Fürbittengebet
„Komm in unsre stolze Welt“
Stophe 1:
Komm in unsre stolze Welt,
Herr, mit deiner Liebe Werben.
Überwinde Macht und Geld,
lass die Völker nicht verderben.
Wende Hass und Feindessinn
auf den Weg des Friedens hin.
Stophe 2:
Komm in unser reiches Land,
der du Arme liebst und Schwache,
dass von Geiz und Unverstand
unser Menschenherz erwache.
Schaff aus unserm Überfluss,
Rettung dem, der hungern muss.
Stophe 3:
Komm in unsre laute Stadt,
Herr, mit Deines Schweigens Mitte,
dass, wer keinen Mut mehr hat,
sich von dir die Kraft erbitte
für den Weg durch Lärm und
Streit hin zu deiner Ewigkeit.
Stophe 4:
Komm in unser festes Haus,
der du nackt und ungeborgen.
Mach ein leichtes Zelt daraus,
das uns deckt kaum bis zum Morgen;
denn wer sicher wohnt, vergisst
dass er auf dem noch ist.
Stophe 5:
Komm in unser dunkles Herz,
Herr, mit deines Lichtes Fülle;
dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz
deine Wahrheit erfülle,
die auch noch in tiefer Nacht
Menschenleben herrlich macht.
Hans Graf von Lehndorf
Weitere Fürbitten finden Sie bei LOGO aktiv unter: › Fürbitten | LOGO aktiv
Anwendungsmöglichkeiten: Während des Gottesdienstes werden an alle Gottesdienstbesucher kleine Glöckchen verteilt. Währenddessen spielt der Kantor auf der Orgel die Melodie: „Kling, Glöckchen ...“
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