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Inhalt:
1. "... und die Seele blüht auf"
1.1. Vorfreude
1.2 Wer hat die Blumen nur erdacht
1.3 Die Gänseblümchen im Schlagloch
1.4 Blumen auf dem Abfallhaufen
2. Aktion "... und sie blühen doch"
2.1 Das erste Treffen
2.2 Begrüßung
2.3 "Der alte Goßvater und der Enkel"
2.4 Einführung in das Thema beim ersten Treffen
2.5 Kreative Umsetzung des Themas
2.6 Wacht auf, Wacht auf!
3. Gott hatt dir Gutes getan - Gottesdienst zu Psalm 103,2
3.1 Eingangslied
3.2 Votum
3.3 Gebet
3.4 Schriftlesung
3.5 Predigtlied
3.6 Predigt
3.7 Lied
3.8 Gebet
3.9 Segen
3.10 Orgelnachspiel
4. Der kleine Schlauberger
5. Strafmandat
6. Anhang
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1. „… und die Seele blüht auf”
1.1 Vorfreude
Kaum, dass die ersten warmen Sonnenstrahlen die Erde berühren, das frische Grün der Frühjahrsblüher zwischen dem teilweise verrotteten Herbstlaub sichtbar wird und die Blatt- und Blütenknospen an Sträuchern und Blumen aufbrechen, überkommt mich alljährlich ein einzigartiges Glücksgefühl. Ich fühle mich dann wie von einer unsichtbaren Last befreit, an der ich lange und schwer getragen habe. Diese beschwingte Leichtigkeit paart sich mit Freude – einer erwartungsvollen Freude, die mich schon am Morgen „beflügelt“ und den ganzen Tag erfüllt. Mein Alltag ist wie eh und je mit reichlich Arbeit ausgefüllt; Geburtstag habe ich erst im Herbst und bis zum nächsten Urlaub ist es auch noch einige Zeit hin. Gewiss, ich habe keinen Grund zur Klage – und ich wäre sehr undankbar, wenn ich dennoch klagen würde – doch kann ich keine plausible Erklärung für meine positive Gefühlslage ausmachen.
Vielleicht ist es das Zwitschern der Vögel? – der blühende Krokus im Garten? – der, Käfer, der auf der Fensterscheibe krabbelt? – der bunte Blumenstrauß auf dem Tisch? Vielleicht ist es der Frühling, der Vorbote des Sommers, der mich erkennen lässt, dass die Zeit des Erwachens, des Neubeginns gekommen ist. Zeit für eine neue Chance.
1.2 Wer hat die Blumen nur erdacht
Wer hat die Blumen nur erdacht,
wer hat sie so schön gemacht,
gelb und rot und weiß und blau,
dass ich meine Lust dran schau?
Wer hat im Garten und im Feld
sie auf einmal hingestellt?
Erst wars noch so hart und kahl,
blüht nun alles auf einmal.
Wer ist’s, der sie alle hieß
duften noch so schön und süß,
dass die Menschen groß und klein,
sich in ihrem Herzen freun?
Wer das ist und wer das kann
und nicht müde wird daran;
Das ist Gott in seiner Kraft,
der die lieben Blumen schafft.
1.3 Die Gänseblümchen im Schlagloch
Die Straße vor unserem Haus hatte unter dem Frost des Winters gelitten. An einigen Stellen war die Straßendecke aufgebrochen, und auch ein paar Schlaglöcher waren entstanden. Die Autofahrer ärgerten sich. Sie versuchten, die Schlaglöcher zu umfahren, um sich vor unliebsamen Stößen zu schützen.
Eines Tages entdeckte ich in einem Schlagloch mitten auf der Straße eine kleine grüne Pflanze. Sie hatte keine guten Lebensbedingungen.
Es gab nur eine vermooste, kleine Erdkrume in dem Loch, über das den ganzen Tag und auch nachts die Autos rollten, und in das der Wind den Staub und den Schmutz der Straße wehte.
Doch es dauerte nicht lange, da schoben sich aus den staubigen grau-grünen Blättern einige zarte, kleine Stängel heraus mit kleinen grünen Köpfchen. Am nächsten Tag hatten sich die Blütenköpfchen geöffnet, und ein kleiner gelber Blütenboden, umgeben von zarten weißen Blütenblättern mit einer feinen Rotfärbung in den Spitzen, streckten sich der Sonne entgegen. – Fünf Gänseblümchen in einem Schlagloch mitten auf einer verkehrsreichen Straße! – Und sie blühten! – Welch eine Lebenskraft steckte in den kleinen unscheinbaren Pflänzchen, die unter so kargen, naturwidrigen Bedingungen wuchsen und blühten! – Ich hatte meine helle Freude an dem „grün-weißen Fleck“ im Schlagloch der Straße. Dann kam der Tag, an dem die Straße ausgebessert wurde. Eine dicke Teerschicht füllte die Risse und die Schlaglöcher aus und machte die Straße glatt und eben. Auch die Gänseblümchen wurden begraben unter der neuen Asphaltdecke.
Es verging eine Zeit, da entstand ein feiner, kleiner Riss in der Asphaltdecke, und ein paar kleine, grüne Blättchen zwängten sich aus dem Spalt ans Tageslicht – aus dem Tod ins Leben!
Eva-Maria Schaefer
Das Lebenskreuz wird uns auferlegt,
doch die Blume der Freude müssen wir selber
in unseren Garten pflanzen oder suchen gehen.
Nur dem Geduldigen öffnet sich die Blume der Freude.
Wer eine Knospe frühzeitig aufbricht,
wird nie ihre volle Entfaltung erleben.
Zenta Maurina
1.4 Blumen auf dem Abfallhaufen
Eine einzige Sekunde genügte, um das Leben des jungen, erfolgreichen Wirtschaftsprüfers Peter Meisner – Vater von drei Kindern – grundlegend und auf schreckliche Weise zu verändern. Nach einem Autounfall war er querschnittsgelähmt. Heute kann er – wenn auch schwer behindert – wieder gehen und sogar Auto fahren.
„Wie ist es passiert, Herr Meisner? „Meine Frau Elfi und ich waren auf der Heimfahrt von einem Besuch bei Freunden, glücklicherweise ohne unsere Kinder. Zuerst fiel mir der orangerote Wagen gar nicht auf. Er scherte aus dem entgegenkommenden Verkehr aus, als ob er überholen wollte. Ich erwartete, dass er auf seine Spur zurückkehren würde, da die Straße ja nicht frei war. Aber das tat er nicht. Da endlich reagierte ich und zog den Wagen verzweifelt zur Seite, um den Zusammenprall zu vermeiden. Mit meinem Fuß bremste ich zwar kräftig, doch eine plötzliche Furcht ergriff mich, dass sich der Wagen überschlagen könnte. Wenn ich nur die Böschung hinauffahren könnte …! Ein orangeroter Blitz erfüllte die Windschutzscheibe und blendete mich …“ „Was haben Sie gedacht, als Sie wieder zu sich kamen?“
„Die Lider waren schwer, als hätte ich lange und tief geschlafen. Ich sah auf ein Paar Füße in Tennisschuhen, die auf seltsame Weise hinter den Autopedalen eingeklemmt waren. Lange Zeit sah ich sie verständnislos an. Mein Blick wanderte nach oben. Ausgewaschene Bluejeans mit Blutflecken an den Oberschenkeln. Zwei Hände lagen darauf, weiß und seltsam unbeweglich.
Weiter oben sah ich ein Gesicht, das mich mit müden, grauen Augen anstarrte. Es war blutverschmiert und schmutzig. Einige Zeit später wurde mir klar, dass ich mein eigenes Spiegelbild im Rückspiegel sah. Elfi kniete neben mir im Auto und hielt meinen Kopf. Sie schien unverletzt. Vielleicht war der Wagen nur auf meiner Seite so schwer beschädigt worden. Die Karosserie um mich herum war verbogen und zerbeult. Überall lagen Glassplitter. ‚Elfi’ … Ich hörte das trockene, röchelnde Geräusch meines Atems. ‚Peter, ich bin hier. Ich bin unverletzt, aber du…’ Elfis Stimme versagte. ‚Halte meinen Kopf hoch! ’, röchelte ich. ‚Bitte halte ihn hoch. ’ Ich konnte es nicht selbst. Ein stechender Schmerz durchfuhr meinen Nacken, als ob jemand ein Messer hineinstieß. Während ich nach Atem rang, bemerkte ich noch etwas anderes. Ich konnte mich nicht bewegen. Die Hände lagen leblos in meinem Schoß, Füße und Beine verharrten unbeweglich in ihrer gekrümmten Stellung. Es war, als gehörten sie gar nicht zu mir. Ich spürte sie nicht einmal mehr.
Alles, was ich fühlte, war der brennende Schmerz in meinem Nacken.“ „Wussten Sie, dass Sie diesen Unfall überleben würden?“ „Nein. Ich rechnete mit meinem Tod. Der Gedanke, Gott nahe zu sein, erfüllte mich aber mit plötzlicher Freude. Ich war im Begriff, meinem Schöpfer zu begegnen, der mich mein Leben lang begleitet hatte, den ich aber nie von Angesicht zu Angesicht gesehen hatte. Ehrfurcht und staunende Erwartung überkamen mich. Es war unwichtig, dass mein Körper ohne Leben war. Der Schmerz im Genick bedeutete nichts. Ich war auf der letzten Schwelle, und ich wünschte mir nur, hinüberzuschreiten.
Ich begann laut zu beten. Ich fühlte mich Gott so nahe, als sei ich schon bei ihm. Ich hörte, wie Elfi mit sanfter Stimme begann, einige Bibelverse zu sprechen. Die Worte umspülten mich wie kühles, erfrischendes Wasser; ich nahm sie begierig auf. Jeder Vers füllte mich mit Frieden. Der Regen, das zerbeulte Auto, der unerträgliche Schmerz im Nacken – all das war weit weg, ein Teil der Welt, die ich verließ.“
„Was war in den folgenden Monaten der Behandlung in verschiedenen Kliniken für Sie am schwersten zu ertragen?“
„Ich hatte das Glück, von Ärzten und Pflegern sehr menschlich und liebevoll behandelt zu werden, und die Gemeinschaft der Leiden verband uns Mitpatienten auf unvergessliche Weise. Für mich war eines der qualvollsten Erlebnisse die Verlegung in ein anderes Krankenhaus, nachdem ich nicht mehr in Lebensgefahr schwebte.
In dem Krankensaal, in den man mich brachte, mussten Dutzende von Patienten sein und jeder von ihnen mit einem Radio oder Kassettenrecorder ausgestattet. Jedes Geräusch verstärkte sich in meinem schmerzenden Kopf, und ich sehnte mich nach Ruhe.
Es dauerte geraume Zeit, bis ich mich an meine neue Umgebung gewöhnte. Die ersten Tage bestanden nur aus Verwirrung und Schmerzen. Ich sprach kaum, außer um vergeblich darum zu bitten, dass die Musik leiser gedreht oder das Licht ausgeschaltet würde. „Es tut mir leid, Peter“, sagte die Schwester dann bedauernd. „Bald geht es Ihnen wieder besser.“
Die Rollstühle schienen öfter gegen mein Bett zu fahren, die Gewichte an meinem Kopf schienen erbarmungsloser zu ziehen, und die geschäftige Atmosphäre des Krankenzimmers zehrte meine Widerstandskraft gänzlich auf. Ich hatte Angstträume, in denen ich versuchte fortzulaufen. Ich sprang aus dem Bett und rannte durch endlose Korridore, um ins Freie zu gelangen. Ich lief und lief, bis mich der Krankenwagen einholte und meinen gelähmten Körper zurück ins Krankenzimmer transportierte.
Die Nächte waren am Schlimmsten – lang, einsam und leer. Obwohl die Radios ausgeschaltet und die Stimmen verstummt waren, störten all die kleinen nächtlichen Geräusche die dunkle Stille.
Die Ruhelosigkeit der Patienten, die vor Schmerzen nicht schlafen konnten, hin und wieder ein trockenes Husten, das wirre Gemurmel eines Träumenden. Manchmal schrie jemand vor Schmerz auf, sodass die Nachtschwester herbeigeeilt kam und ich erschreckt aufwachte.
Zu meinem Entsetzen wurde ich jeden Tag hochgehoben, damit das Bett gemacht werden konnte. Die Beschämung, die ich empfand, wenn ich von oben bis unten gewaschen wurde, wenn mein Urinbehälter ausgewechselt wurde oder ich ein Zäpfchen verpasst bekam, verblasste ins Unbedeutende gegenüber diesem Schwindel erregenden Schweben in der Luft, bei dem mein gelähmter Körper die Hände nicht spürte, die mich hielten.“
„Welche Bedeutung hatte für Sie der Glaube an Gott?“
„Ich kann das am Besten an einer kleinen Begebenheit erklären. Einmal kam Elfi ganz aufgeregt in den Krankensaal und hielt mir einen Bund kleiner Wiesenblumen entgegen. ‚Sieh mal, Peter, sind die nicht hübsch’? Hellrote und gelbe Wicken leuchteten zwischen Grashalmen hervor und hier und da Gänseblümchen und dunkelrote Lichtnelken. ‚Wo hast du sie gefunden? ’, fragte ich und sog ihren zarten Duft ein. ‚Draußen’.
Elfi war atemlos, und ihre Augen glänzten. ‚Sie wuchsen auf einem Abfallhaufen! Sie sahen so seltsam aus zwischen den zerbrochenen Flaschen und Papierfetzen’, erzählte sie weiter. ‚Du hättest sehen sollen, wie sie sich an den kleinsten Erdkrümchen festhielten. Und als ich sie entdeckt hatte, schien der ganze Abfallhaufen verändert – über und über mit Farbe betupft. ’
‚Sehr schön’, sagte ich. Elfi zog ihren Stuhl heran und setzte sich, die Ellbogen aufs Bett gestützt und das Kinn in den Händen.
‚Weißt du’, fuhr sie in ernsterem Ton fort, ‚mir kam ein Gedanke, als ich diese Blumen auf dem Abfallhaufen sah … Was mit uns passiert ist …“ Wieder eine Pause.
‚Es ist ein bisschen wie bei dem Abfallhaufen. Das heißt …’ Sie runzelte die Stirn, als ob die Worte bereits falsch herausgekommen seien. ,Das heißt, dein Leiden und die Lähmung scheinen schrecklich, sinnlos, eine Vergeudung deines Lebens. Aber wir wissen nicht, was Gott aus unserem Leben machen kann, so, wie es jetzt ist. Für ihn ist es kein Abfall. Wenn er auf einem Abfallhaufen Blumen wachsen lassen kann, was könnte er dann aus unserem Leben entstehen lassen? ’
‚Du meinst, dass Gott nicht immer Dinge wegnimmt, die schwierig und schmerzlich sind, sondern sie verwandelt, etwas anderes aus ihnen entstehen lässt, wie die Blumen. ’ ‚Etwas Schönes’, betonte Elfi mit Nachdruck, als ob ich das Wichtigste übersehen hätte. ‚Ja. ’ Plötzlich verstand ich es auch. Ich sah die Blumen wieder an, leuchtend und schön in dem Glas. Neue Zuversicht kam auf. ‚Gut’, sagte ich zu Elfi, und meine Stimme zitterte vor freudiger Erregung. „Ich bin gespannt, welche Blumen er auf unserem Abfallhaufen wachsen lässt.“
Elfi Meister
2. Aktion: „… und sie blühen doch”
Für die Aktion wird Altmaterial (siehe Beispiele 2.1), ein gebrauchtes aber noch verwertbares Material oder alternativ eine Meditation vorgestellt. Empfohlen wird seine eigenen Gegenstände mit gewissem Erinnerungswert mitzubringen.
Ergänzend können Texte für biblische Hinweise behandelt werden. Um musikalisch die Aktion zu untermalen, werden die Lieder "Ich steh vor dir ..." oder alternativ "Ach bleib ..." vorgeschlagen. Abgeschlossen wird die Aktion mit einem Gebet.
2.1 Das erste Treffen
• Benötigt werden: alte Gegenstände, wie z.B. zerknüllte Zeitungen, Nägel, Schrauben, Schachteln etc. sowie ein Brett oder Tablett
2.2 Begrüßung
zur Andacht: Psalm 71; 1-3, 5-9, 17-22
Herr, ich suche Zuflucht bei dir.
Lass mich doch niemals scheitern!
Reiß mich heraus und rette mich in deiner Gerechtigkeit,
wende dein Ohr mir zu und hilf mir!
Sei mir ein sicherer Hort,
zu dem ich allzeit kommen darf.
Herr, mein Gott, du bist ja meine Zuversicht,
meine Hoffnung von Jugend auf.
Vom Mutterleib an stütze ich mich auf dich,
vom Mutterschoß an bist du mein Beschützer;
dir gilt mein Lobpreis allezeit.
Für viele bin ich ein Gezeichneter,
du aber bist meine starke Zuflucht.
Mein Mund ist erfüllt von deinem Lob,
von deinem Ruhm den ganzen Tag.
Verwirf mich nicht, wenn ich alt bin,
verlass mich nicht, wenn meine Kräfte schwinden.
Gott, du hast mich gelehrt von Jugend auf,
und noch heute verkünde ich dein wunderbares Walten.
Auch wenn ich alt und grau bin,
verlass mich nicht,
damit ich von deinem machtvollen Arm
der Nachwelt künde,
den kommenden Geschlechtern von deiner Stärke
und von deiner Gerechtigkeit, Gott, die größer ist als alles.
Du hast Großes vollbracht.
Mein Gott, wer ist wie du?
Du ließest mich viel Angst und Neid erfahren.
Belebe mich neu,
führe mich herauf aus den Tiefen der Erde!
Bring mich wieder zu Ehren!
Du wirst mich wiederum trösten.
Dann will ich dir danken mit Saitenspiel
und deine Treue preisen;
mein Gott,
du Heiliger Israels,
ich will dir auf der Harfe spielen.
2.3 „Der alte Großvater und der Enkel”
Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er nun bei Tische saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch, und es floss ihm auch etwas wieder aus dem Mund.
Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, und deswegen musste sich der alte Großvater endlich hinter den Ofen in die Ecke setzen, und sie gaben ihm sein Essen in ein irdenes Schüsselchen und noch dazu nicht einmal satt; da sah er betrübt nach dem Tisch, und die Augen wurden ihm nass. Einmal auch konnten seine zittrigen Hände das Schüsselchen nicht festhalten, es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schalt, er sagte aber nichts und seufzte nur. Da kaufte sie ihm ein hölzernes Schüsselchen für ein paar Heller, daraus musste er nun essen. Wie sie da so sitzen, so trägt der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Brettlein zusammen. „Was machst du da?“ fragte der Vater. „Ich mache ein Tröglein“, antwortete das Kind, „daraus sollen Vater und Mutter essen, wenn ich groß bin.“ Da sahen sich Mann und Frau eine Weile an, fingen endlich an zu weinen, holten sofort den alten Großvater an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete.
Gebrüder Grimm
2.4 Einführung in das Thema beim ersten Treffen
Nach der Begrüßung und Andacht über Psalm 71 findet ein gemeinsames Kaffeetrinken mit Zeit zum allgemeinen Gespräch statt. Anschließend stelle ich das Thema „Altes Eisen oder blühendes Alter?" vor und weise auf die zeitliche Planung für drei Nachmittage und einen Sonntagsgottesdienst hin.
Danach lese ich die Geschichte „Der alte Großvater und der Enkel“ von den Gebrüdern Grimm vor.
Wir sprechen anschließend über eigene Erfahrungen mit dem Altsein. Der Wunsch nach Geborgenheit in der Familie, das Streben nach Unabhängigkeit und das Gefühl des Abgeschobenseins als Aspekte des Lebens alter Menschen sprechen wir an. Die TeilnehmerInnen äußern ihre Wünsche für das Alter. Wenn die Formulierungen im vorausgehenden Gespräch nicht schon erwähnt wurden, bringe ich den Ausdruck „zum ‚alten Eisen’ gehören“ in die Diskussion. Der Ausdruck wird erklärt und alle Anwesenden können eigene Assoziationen beisteuern.
Vorbereitet auf einem Brett oder Tablett wird nun Müll (zerknüllte Zeitungen, Nägel, Schrauben etc.) für alle sichtbar in die Mitte gestellt. Die TeilnehmerInnen werden angeregt, sich eigenen Gedanken zu den jeweiligen Gegenständen zu machen und sich anschließend im Gespräch auszutauschen. Wenn in der Diskussion die Ausdrücke „alte Schachtel“, „alte Schraube“ nicht fallen, weise ich darauf hin und rege einen Gedankenaustausch an. Ich fordere dann die TeilnehmerInnen auf, sich ein Stück des Mülls, das sie besonders anspricht, auszusuchen und zu erzählen, was er oder sie damit verbindet. So sind die TeilnehmerInnen in der Lage, einen Bezug zu ihrem eigenen Leben herzustellen und sich durch ihre Erinnerungen und Assoziationen besser kennenzulernen. Dabei stelle ich fest, dass jeder ausgewählte Gegenstand, nach dem gegriffen wurde, zu der jeweiligen Person passt.
Durch ihre Beschäftigung mit dem Medium „Altes Eisen“ haben die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, fröhliche und traurige Begebenheiten zu erzählen, über ihre Gefühle und Erinnerungen zu sprechen, sie mit Hilfe der anderen in neuem Kontext zu sehen und sie aufzuarbeiten.
Ich rege generell eine Diskussion darüber an, welche Dinge man aufbewahren sollte und warum und bitte die anwesenden TeilnehmerInnen, zum nächsten Treffen einen alten, ihnen wertvollen Gegenstand mitzubringen. Was macht ihren individuellen Wert für uns aus? Sind alte Gegenstände und alte Menschen nur deshalb scheinbar nutzlos, weil sie alt sind? Auch weise ich an manchen Stellen auf Verbindungen zwischen Märchen, eigener Geschichte und biblischem Wort hin. Die Bibel spricht den Senioren eine wichtige Rolle als Lehrer und Vorbilder zu. Anhand von biblischen oder sonstigen ausgewählten Texten wird der Frage nachgegangen, wie die Bibel die Gemeinschaft von Alt und Jung sieht, im Vergleich zur heutigen Zeit.
Die Gedanken zu den einzelnen Texten werden ausgetauscht sowie Parallelen und Unterschiede zwischen biblischer Zeit und Gegenwart herausgearbeitet.
Den Abschluss des Nachmittages bilden die Lieder „Ich steh vor dir mit leeren Händen“ und „Ach bleib mit deiner Gnade“ sowie Schlussgebet.
2.5 Kreative Umsetzung des Themas
Ich beginne mit dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse.
Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten
an keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Hermann Hesse
Anhand dieser Gedanken zu den Möglichkeiten verschiedener Lebensabschnitte, wollen wir Mut zu neuen Ideen und Anfängen auch im Alter finden. Wir sammeln Vorschläge, was man machen könnte. Dabei sollen unbedingt ganz konkrete Ideen, wie der Besuch eines VHS-Kurses, neben Wunschträumen (z.B. Weltreise) stehen. Ich animiere die TeilnehmerInnen, einander Mut zu machen, einmal über den eigenen Schatten zu springen.
Das Tablett mit den beim letzten Treffen mitgebrachten Gegenständen werden wieder in die Mitte gestellt.
Sind diese Gegenstände, so, wie sie dalegen, ein Symbol für das Abgeschobensein alter Menschen? Dann muss man sich die Frage stellen, ob es nicht in ein Zeichen der Aufbruchstimmung und des Selbstbewusstseins umgewandelt werden kann. Wir riefen uns die letzten Treffen ins Gedächtnis.
Die Ergebnisse und gewonnenen Erkenntnisse wollen wir optisch mit dem „alten Eisen“ umsetzen. Der Schrott soll sinnvoll verwendet werden. Wir beschließen, eine Collage herzustellen.
Dazu ein Hinweis: Falls der Vorschlag, die Gegenstände neu zu verwenden, sie vielleicht zu einem Bild, zu einer Collage zusammenzufassen, nicht aus der Gruppe kommt, liegt es am Leiter oder der Leiterin zu erklären, was eine Collage ist und was man mit ihr ausdrücken kann. (Zur Herstellung der Collage braucht man außer dem gesammelten „Müll“ eine entsprechend große Holzplatte, eine Heißklebepistole und Lacke zum farblichen Verändern des fertigen Bildes).
Bei der gemeinsamen Fertigstellung unserer handwerklichen Arbeit fließen die Deutung der Gegenstände und ihre bewusste Anordnung in die Gestaltung ein.
So entsteht ein Bild, das eine Geschichte erzählt. Die TeilnehmerInnen erfahren, dass sie in der Lage sind, etwas vollkommen Neues zu schaffen.
Während das Bild trocknet, wurde gemeinsam der Gottesdienstablauf besprochen. Als Lieder sollen die der letzten Treffen gesungen oder andere bekannte Stücke ausgesucht werden.
Die Texte für die Lesung und den Psalm werden ausgewählt. Die Bildbetrachtung und Auslegung sollen Kernpunkt der Predigt werden. Schließlich erklärt sich eine Teilnehmerin bereit, eine Lesung zu übernehmen, nachdem eine andere den Text verfasst hat. Den Abschluss des Treffens bilden die Vorträge von Liedern und einem Gebet.
Hinweis: Falls keine selbstgestaltete Collage erstellt wird, ist hier auch die Betrachtung des Bildes (siehe Anhang) möglich. Dazu benötigen Sie entsprechend viele Fotokopien. Die TeilnehmerInnen können ihre eigenen Gedanken zum Bild formulieren. Aufbruchstimmung vermittelt das Lied des Senioren-Schutzbundes „Graue Panther“:
2.6 Wacht auf, wacht auf!
Wacht auf, wacht auf, seid nicht die dummen Alten,
wacht auf, wacht auf, behaltet Lebenslust!
Ob graues Haar, ob im Gesicht schon Falten,
seid stolz darauf, es macht euch selbstbewusst.
Wir bleiben unserm Wahlspruch treu:
Senioren-Schutz-Bund … immer dabei!
Man macht so gern Geschäftchen mit den Alten,
die sind doch alt, was wollen die denn noch,
nur kasernieren, im Alter uns verwalten,
wach auf, du Mensch, wach auf und wehr dich doch!
Wir bleiben unserm Wahlspruch treu:
Senioren-Schutz-Bund … immer dabei!
Man soll uns nur die „Grauen Panther“ nennen,
Senioren-Schutz bedeutet unser Bund.
Die ganze Welt, sie wird uns bald erkennen,
wir halten Wacht, so wie ein scharfer Hund.
Wir bleiben unserm Wahlspruch treu:
Senioren-Schutz-Bund … immer dabei!
Ein bisschen Frohsinn wollen wir behalten,
Kampf gegen Willkür, Einsamkeit und Not!
Um Menschenwürde, um Freiheit für die Alten
drum kämpfen wir, das ist uns ein Gebot.
Wir bleiben unserm Wahlspruch treu:
Senioren-Schutz-Bund … immer dabei!
Trude Unruh
Es wird vorgelesen. Dazu können verschiedene Aussagen über das Alter gemacht werden. Eine positive Sicht des Alters vermitteln auch biblische Texte, die vorgetragen werden können. Im Gespräch entwickeln die TeilnehmerInnen auf diese Weise neue Standpunkte.
Die Treffen ergaben, dass vor Gott alle gleich sind. Das Alter ist also nicht benachteiligt, sondern hat vor Gott seinen ganz speziellen Wert. Von jedem einzelnen von uns hängt es ab, Möglichkeiten, die sich ihm bieten, zu nutzen.
3. Gott hat dir Gutes getan – Gottesdienst zu Psalm 103,2
Orgelvorspiel
Begrüßung
3.1 Eingangslied
EG 317,1-4 Lobe den Herren
3.2 Votum
Eingangspsalm 103,1-18
Kommt, lasst uns anbeten!
Gemeinde. Ehre sei dem Vater …
3.3 Gebet
Gott, du bist unser Begleiter von Kindheit an.
Wie Vater und Mutter umgibst du uns mit deiner Liebe und Fürsorge.
Viel Gutes hast du uns im Lauf unseres Lebens geschenkt.
Lass uns dankbar deine Güte in unserem Leben erkennen.
Gemeinde: Amen
3.4 Schriftlesung
Lukas 17,11-19 Die 10 Aussätzigen
Gemeinde: Halleluja
3.5 Predigtlied
EG 321 Nun danket alle Gott
3.6 Predigt
Text: Psalm 103,2
Liebe Gemeinde!
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Diesen schönen Vers aus dem 103. Psalm möchte ich Ihnen heute mitgeben in die Woche. Ein Vers, der uns auffordert zum Erinnern. Der unsere Erlebnisse und Erfahrungen ernst nimmt wie einen Schatz, den wir im Lauf des Lebens eingesammelt haben. Wie ungleich verteilt sind die Freuden und die Aufgaben des Lebens. Im jungen Alter scheint es, als würde jeder Tag vor Aufgaben platzen, und die Stunden des Tages reichen nicht für all das, was zu tun wäre.
Wenn sie zurückdenken an die Zeit der Hausarbeit oder Berufstätigkeit: Wie aufwendig es war, die Wäsche zu waschen, die Wohnung zu putzen, Schreibarbeiten zu erledigen. Ich entsinne mich, wie meine Mutter immer mit Stöhnen vom Waschtag erzählte, an dem sich alle Bewohnerinnen des Hauses in der Waschküche versammelten, den Kessel heizten und in der dampfenden Hitze die Wäsche im Trog rührten oder am Waschbrett rieben, bis die Hände aufquollen und schmerzten. Mit welcher Mühe wurde die lange Treppe im Haus gewachst, bis die perfekt glänzte – aber wir Kinder wurden eindringlich gewarnt, nicht auf ihr zu rennen, weil wir sonst ausrutschen könnten – und natürlich auch den schönen Glanz wieder verdarben. Wie mühselig war die Arbeit oft gewesen – und manches Mal wünschten sich die Frauen mehr Zeit und Ruhe. Und auch die jungen Leute heute: wie oft klagen sie, dass sie keine Zeit haben. Zwar haben viele Maschinen das Alltägliche leichter gemacht, aber dafür sind andererseits die Aufgaben verwickelter und komplizierter geworden, das Leben immer hektischer.
Und nun im Alter ist so viel Zeit da – und es wäre schön, noch ein wenig arbeiten zu können. Wie lange sind oft schon die Stunden am Vormittag zwischen Frühstück und Mittagessen – endlos schleichen die Minuten dahin; aber selbst Staub wischen ist mühsam und riskant geworden. Schon das Selbstverständliche des Alltags ist oft zu schwer, um alleine bewältigt zu werden.
Aber Zeit ist da – viel Zeit, oft zu viel Zeit. Womit soll man sie füllen? Womit füllt sie sich selber? Sie füllt sich stark mit der Bewältigung der täglichen Notwendigkeiten. Das Aufstehen und Anziehen braucht viel mehr Zeit. Und es ist gut, dass es diese Zeit jetzt gibt.
Und sie füllt sich stark mit Erinnerungen und Bildern aus der Vergangenheit. Schöne Bilder und schwere Erlebnisse – vieles taucht auf, was lange Zeit vergessen schien.
Der Dichter Hermann Hesse rechnet dieses Erinnern zu den wertvollsten Gaben, die uns das Alter schenkt. Er schreibt: „Die mir teuerste dieser Gaben ist der Schatz an Bildern, die uns das Alter schenkt, ist der Schatz an Bildern, die man nach einem langen Leben im Gedächtnis trägt und denen man sich mit dem Schwinden der Aktivität mit ganz anderer Teilnahme zuwendet als jemals zuvor.
Menschengestalten und Menschengesichter, die seit 60 und 70 Jahren nicht mehr auf der Erde sind, leben in uns weiter, gehören uns, leisten uns Gesellschaft, blicken uns aus lebenden Augen an. Häuser, Gärten, Städte, die inzwischen verschwunden oder völlig verändert sind, sehen wir unversehrt wie einst…
Das Schauen, das Betrachten, die Kontemplation (= Besinnung) wird immer mehr zu einer Gewohnheit und Übung…, heute, im großen Bilderbuch unseres eigenen Lebens blätternd, wundern wir uns darüber, wie schön und gut es sein kann, jener Jagd und Hetze entronnen und in die vita contemplativa gelangt zu sein.
Hier in diesem Garten der Greise blühen manche Blumen, an deren Pflege wir früher kaum gedacht haben. Da blüht die Blume der Geduld, ein edles Kraut, wir werden gelassener, nachsichtiger, und je geringer unser Verlangen nach Eingriff und Tat wird, desto größer wird unsere Fähigkeit, dem Leben der Natur und dem Leben der Mitmenschen zuzuschauen und zuzuhören, es ohne Kritik und mit immer neuem Erstaunen über seine Mannigfaltigkeit an uns vorüberziehen zu lassen, manchmal mit Teilnahme und stillem Bedauern, manchmal mit Lachen, mit heller Freude, mit Humor.“
(aus Hermann Hesse, Mit der Reife wird man immer jünger, Seite 71f)
Hermann Hesse bemerkt in seinem Altwerden mit Dankbarkeit diese Fähigkeit, im Erinnern ein Bilderbuch in sich wiederzufinden, ein Bilderbuch an Erlebnissen, an Geschautem, das er nun, wo er mehr Zeit hat, mit Genuss anschauen kann.
Jeder Mensch trägt ein solches Bilderbuch in sich. Als unsere Kinder kleiner waren, haben sie immer wieder ihre Fotoalben angeschaut, die wir für sie angelegt haben. Ihr Album begann mit Fotos kurz vor ihrer Geburt, als ich sie noch ein einem riesigen Bauch in mir trug, dann folgte die Geburtsanzeige und die ersten Bilder der Eltern und Geschwister mit dem neugeborenen Kind. Sie waren fast unersättlich im Anschauen dieser Fotos, denn diese Bilder erzählten ihr Leben, ihr ganz besonderes Leben und von der Freude, mit der sie begrüßt wurden.
So tragen auch Sie in sich ein Bilderbuch, das nur Ihnen gehört, kein anderer Mensch hat diese Erinnerungen, diese Bilder. Als meine Mutter gestorben war, habe ich mit Bedauern erkannt: mit ihr starb auch eine Geschichte, die nur sie erzählen konnte, ein Leben, das niemand für sie schreiben konnte, so vieles hätte ich gern noch gefragt und werde es niemals mehr fragen können.
Der Psalm Vers ermuntert zu solchem Erinnern und Erzählen: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Er ermuntert, die eigene Geschichte anzuschauen als ein Leben, das einmalig ist. Aber noch mehr: Er ermuntert, das eigene Leben anzuschauen als ein Geschenk, das Gott gemacht hat und das sich lohnt zu erinnern, weil Gott so viel Gutes geschenkt hat.
Manchmal sind wir so bedrückt und erschlagen von der Mühsal des momentanen Alltags, dass es uns scheint, als sei das ganze Leben eine Ansammlung von Mühe und Enttäuschungen gewesen. Aber das ist nicht wahr. Es gab in jedem Leben viele Momente der Freude und der Hoffnung, Zeiten voller Liebe und Glück. Im Erinnern an dieses Leben erkennen wir viel Gutes, was uns geschenkt wurde: etwa eine glückliche Kindheit oder eine liebevolle Ehe, Freundschaften und Aufgaben, die uns erfüllten, lange Gesundheit. Es gibt vieles, oft auch Kleines, das ein Leben erfüllt und zufrieden machen kann. Wichtig ist, dass wir im Erinnern dieses wahrnehmen und ernst nehmen.
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. In diesem Erinnern wächst uns neue Kraft für unsere Seele zu. Denn in diesem Erinnern schauen wir nicht nur auf das, was wir jetzt nicht mehr gut können oder was uns verloren gegangen ist, sondern wir schauen auf unser Leben mit all dem, was Gott uns Gutes getan hat, wir schauen auf unser Leben und loben Gott für das Gute, was wir erleben durften.
Das macht im Innern ruhiger und zufriedener. Und das gibt Kraft, auch schwere Zeiten zu bewältigen. Und hat nicht jede Zeit, auch die schwere, Chancen und Elemente von etwas Gutem? Herman Hesse schätzt am Altwerden, dass er nun nicht mehr hetzen muss und mit Gelassenheit das Treiben in der Welt anschauen kann.
Sie brauchen sich nicht mehr den Kopf zu zerbrechen, was sein wird, wenn im nächsten Jahrhundert das Trinkwasser knapp wird, ob neue Epidemien nach Europa geschleppt werden, was geschieht, wenn die Überbevölkerung der Erde Hungersnöte auslöst, all das sind Probleme, die die nachfolgenden Generationen lösen müssen. Sie haben die Nöte ihrer Zeit durchgestanden und sind nun frei, an sich und ihre Bedürfnisse zu denken.
Lassen Sie Ihre Seele sich erinnern an das Geschenk Ihres Lebens. Erzählen Sie Ihr Leben in der Dankbarkeit für Gottes große Güte. Das ist das Beste, was Sie den jüngeren Generationen mitgeben können. Und was ihrer Seele einen tiefen Frieden schenkt. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
3.7 Lied
EG 322,1-7 Nun danket all und bringet Ehr
Abkündigungen
3.8 Gebet
Gott, wir danken dir für ein langes Leben,
auf das wir zurückblicken können.
Wir danken dir für die Familie, in der wir aufwuchsen.
Wir danken dir für den Ort, der in der Kindheit unsere Heimat war
und in unseren Träumen und Erinnerungen noch immer lebendig ist.
Wir danken dir für die Menschen, die uns im Lauf unseres Lebens
begegneten und die uns und für die wir wichtig waren.
Wir danken dir für Lieben, die wir erleben und schenken durften.
Wir danken dir für Aufgaben, die wir bewältigt haben.
Wir danken dir, dass wir deine Güte erfahren durften.
Lass uns jetzt im Alter dein Lob singen und sagen.
Unsere Seele soll sich füllen mit Freude und Dankbarkeit
im Erinnern an deine Liebe.
Und unser Herz lass ruhig und getrost werden im Vertrauen,
dass du uns auch weiterhin mit Gutem beschenken wirst.
Vaterunser
3.9 Segen
Lied: 396 1-4+6 Jesu, meine Freude
Verabschiedung
3.10 Orgelnachspiel
Der Unendliche hat in den Himmel
seinen Namen in glühenden Sternen gesät,
aber in der Erde hat er seinen Namen
in sanften Blumen gesät.
Jean Paul
4. Der kleine Schlauberger
„Oma, wann bist du eigentlich Oma geworden?“
„Als du geboren wurdest.“
„Also, wenn ich nicht wäre, wärest du keine Oma geworden?“
„So ist es, mein Liebling.“
„Und was schenkst du mir nun zum Dank dafür?“
5. Strafmandat
Ein älterer Autofahrer erhält wegen überhöhter Geschwindigkeit ein Strafmandat. Ich werde es zu Hause lesen“, sagt er dem Polizisten, der ihn angehalten hat, „ich sehe nämlich ohne meine Brille so gut wie nichts!“
Die Sonne scheint für dich -
deinethalben,
und wenn sie müde wird,
fängt der Mond an,
und dann werden
die Sterne angezündet
Lerne von der Lilie
und lerne vom Vogel,
deinen Lehrern:
zu sein heißt: für heute da sein.
Das ist Freude.
Lilie und Vogel
sind unsere Lehrer der Freude.
Sören Kierkegaard
6. Anhang
Anita Büscher
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