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Inhalt:
1. Was ich liebe
2. "Einfach umsonst"
3. Der eigensüchtige Riese
4. Mein Hirt ist Gott der Herr
5. Ein Freund ist einer...
6. Wie die Menschen das Staunen verlernten und warum sie sich plötzlich wunderten
7. Glaube
8. Der Sorgenbaum
9. Die große Stille
10. Der Krüppel
11. Ein Lied einer blinden Sängerin
12. Gottesdienstgestaltung: Keiner lebt für sich alleine
13. Download der Arbeitshilfe als PDF
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Was ich liebe
Ich liebe dich, Herr; ich zweifle nicht daran,
ich liebe dich mit vollem, hellem Wissen.
Mit deinem Wort hast du mein Herz getroffen, und ich liebte dich.
Und auch Himmel und Erde und alles, was sich fühlt,
das alles sagt mir, dass ich dich lieben soll
und hört nicht auf, es allen zu sagen …
Was aber liebe ich, da ich dich liebe?
Nicht Körperschönheit und nicht Glanz der Welt,
nicht strahlend helles Licht des Tages, was dem Auge so lieb ist;
nicht süße Melodien formenreicher Lieder,
nicht Wohlgeruch der Blumen, Salben und Spezereien;
nicht Manna und nicht Honig;
nicht Leibesanmut, die zu umarmen unser Fleisch sich sehnt.
Das alles ist nicht, was ich liebe,
wenn ich dich liebe, meinen Gott.
Und doch liebe ich dich, als wärest du Licht und Wohlgeruch
und Melodie und Speise und Umarmung meines inneren Menschen!
Dort drinnen in meiner Seele strahlt ein Licht, das keine Welt fasst,
dort klingen Melodien, die keine Zeit verschlingt,
dort duften Wohlgerüche, die kein Wind verweht,
dort schmecken Speisen,
deren keine Sattheit satt wird,
dort lacht ein Glück vereinter Liebe,
dem ein Überdruss nicht folgt.
Das ist es, was ich liebe, lieb ich meinen Gott.
Aurelius Augustinus
"Einfach umsonst"
Auf diesem Planeten werden Menschen von Menschen geboren, sind Menschen einander vertraut, sind Menschen für Menschen verantwortlich. Einfach umsonst helfen ist darum das Allernatürlichste von der Welt. Wenn das nicht mehr möglich ist, können Menschen nicht mehr zusammenleben. Es entstehen die vielen schrecklichen Schmerzen dieser Zeit: Entfremdung, Einsamkeit, schreiende Ungleichheit, Rüstungswahnsinn, Unmenschlichkeit unter den Menschen und in der Gesellschaft.
Wir haben uns zu einer Gesellschaft entwickelt, wo Hilfe eine teure Angelegenheit geworden ist. Die spontane Hilfe von Mensch zu Mensch wird verdrängt durch alle möglichen „Dienste“ mit bezahlten Menschen und bezahlten Leistungen. Das Wort „dienen“ wird vergewaltigt. Es hat nichts mehr zu tun mit „einfach umsonst helfen“. Eine Sozialbürokratie, die viel Geld frisst, hat alles überwuchert. Es gibt viele fantastische hilfsbereite Menschen, für die der kleine Mensch mit seiner Not Vorrang hat. Aber es gibt leider noch zu viele „Sozialarbeiter“, die mehr an ihr eigenes Einkommen, ihren eigenen Arbeitsplatz, ihre eigene Stellung denken. Bei allen Hilfsdiensten kommt es mehr auf das uneigennützige „Umsonst“ an. Einfach umsonst helfen ist eine Frucht der Liebe. Und Liebe zu Menschen ist unbezahlbar.
Der eigensüchtige Riese
An jedem Nachmittag, wenn die Kinder aus der Schule kamen, gingen sie in den Garten des Riesen, um darin zu spielen.
Es war ein großer, hübscher Garten mit weichem, grünem Gras. Hier und da auf dem Rasen standen schöne Blumen wie Sterne, und da waren auch zwölf Pfirsichbäume, die im Frühling zartrosa und perlweiß blühten und im Herbst reiche Frucht trugen. Die Vögel saßen auf den Bäumen und sangen so süß, dass die Kinder immer wieder in ihren Spielen innehielten, um zu lauschen. „Wie glücklich wir hier doch sind!“, riefen sie einander zu.
Eines Tages kam der Riese nach Hause. Er war auf Besuch bei seinem Freund, dem gehörnten Menschenfresser, gewesen und sieben Jahre bei ihm geblieben. Als die sieben Jahre um waren, war alles gesagt, was er ihm zu sagen hatte, denn sein Gesprächsstoff war sehr beschränkt, und so beschloss er, auf sein eigenes Schloss zurückzukehren. Als er nach Hause kam, sah er die Kinder in seinem Garten spielen. „Was tut ihr hier?“, rief er sehr mürrisch, und die Kinder liefen weg. „Mein Garten, das ist mein Garten“, sagte der Riese, „das sieht jeder ein, und ich erlaube niemandem sonst, darin zu spielen als mir selber.“ Also baute er eine mächtige Mauer ringsum und stellte eine Warntafel auf: UNBEFUGTES BETRETEN DIESES GRUNDSTÜCKS IST BEI STRAFE VERBOTEN! Er war ein sehr eigensüchtiger Riese.
Die armen Kinder hatten jetzt nichts mehr, wo sie spielen konnten. Sie versuchten es auf der Landstraße, aber die Landstraße war sehr staubig und steinig, und sie mochten sie nicht leiden. So gingen sie also, wenn die Schule aus war, um die große Mauer herum und sprachen von dem schönen Garten dahinter. „Wie glücklich waren wir da“, sagten sie zueinander. Dann kam der Frühling, und über der ganzen Gegend waren kleine Blüten und kleine Vögel. Bloß in dem Garten des eigensüchtigen Riesen blieb es Winter.
Die Vögel machten sich nichts daraus, darin zu singen, weil keine Kinder da waren, und die Bäume vergaßen zu blühen. Einmal steckte eine schöne Blume ihr Köpfchen aus dem Gras hervor, aber als sie die Warntafel sah, war sie so betrübt um die Kinder, dass sie wieder in den Boden hineinschlüpfte und weiterschlief. Die einzigen Leute,
die sich freuten, waren der Schnee und der Frost. „Der Frühling hat diesen Garten vergessen“, riefen sie, „so wollen wir hier das ganze Jahr hindurch leben.“ Der Schnee deckte das Gras mit seinem großen weißen Mantel, und der Frost bemalte alle Bäume silberweiß. Dann luden sie den Nordwind ein, bei ihnen zu wohnen, und er kam. Er war in Pelze ganz eingehüllt und brüllte den ganzen Tag durch den Garten und blies die Schornsteine herunter. „Das ist ein ganz herrlicher Platz“, sagte er, „wir müssen den Hagel auf eine Visite bitten.“ Und so kam der Hagel. Jeden Tag prasselte er drei Stunden lang auf das Schlossdach herunter, bis er fast alle Schieferplatten zerbrochen hatte, und dann lief er rund um den Garten, so schnell er nur konnte. Er war ganz grau angezogen, und sein Atem war wie Eis.
„Ich versteh nicht, warum der Frühling so spät kommt“, sagte der eigensüchtige Riese, als er am Fenster saß und auf seinen kalten weißen Garten hinuntersah. „Ich hoffe, das Wetter ändert sich bald.“ Aber der Frühling kam nie und auch nicht der Sommer. Der Herbst gab jedem Garten goldene Früchte, aber dem Garten des Riesen gab er keine. „Er ist zu eigensüchtig“, sagte der Herbst. So war es da immer Winter, und der Nordwind und der Hagel und der Frost und der Schnee tanzten um die Bäume.
Eines Morgens lag der Riese wach im Bette, als er eine liebliche Musik vernahm. Es klang so süß an seine Ohren, dass er dachte, die Musikanten des Königs zögen vorüber. Aber es war bloß ein kleiner Hänfling, der vor seinem Fenster sang.
„Ich glaube, der Frühling ist endlich gekommen“, sagte der Riese; und er sprang aus dem Bett und schaute hinaus.
Und was sah er?
Er sah was ganz Wunderbares. Durch ein kleines Loch in der Mauer waren die Kinder hereingekommen und saßen in den Zweigen der Bäume. In jedem Baum, den er sehen konnte, saß ein kleines Kind. Und die Bäume waren so froh, die Kinder wieder bei sich zu haben, dass sie sich ganz mit Blüten bedeckt hatten und ihre Arme anmutig über den Köpfen der Kinder bewegten. Die Vögel flogen umher und zwitscherten vor Entzücken, und die Blumen guckten aus dem grünen Gras hervor und lachten. Es war entzückend anzusehen, und nur in einem Winkel war es noch Winter, und dort stand ein kleiner Junge. Er war so klein, dass er nicht an die Äste hinaufreichen konnte, und er lief immer um den Baum herum und weinte bitterlich. Der arme Baum war noch ganz bedeckt mit Frost und Schnee, und der Nordwind blies und heulte über ihm. „Klettere herauf, kleiner Junge“, sagte der Baum und senkte seine Äste so tief er konnte, aber der Junge war zu klein.
Da wurde des Riesen Herz weich, als er das sah. „Wie eigensüchtig ich doch war!“ sagte er; „jetzt weiß ich, weshalb der Frühling nicht hierherkommen wollte. Ich will dem armen kleinen Jungen auf den Baumwipfel helfen, und dann will ich die Mauer umwerfen, und mein Garten soll für alle Zeit der Spielplatz der Kinder sein.“ Er war wirklich sehr betrübt über das, was er getan hatte.
So schlich er hinunter und öffnete ganz leise das Tor und trat in den Garten. Aber als die Kinder ihn sahen, erschraken sie so, dass sie alle wegliefen, und im Garten wurde es wieder Winter. Bloß der kleine Junge lief nicht weg, denn seine Augen waren so voll Tränen, dass er den Riesen nicht kommen sah. Und der Riese kam leise hinter ihm heran, nahm ihn zärtlich auf seine Hand und setzte ihn hinauf in den Baum. Und sogleich fing der Baum zu blühen an, und die Vögel kamen und sangen in ihm, und der kleine Junge breitete seine Ärmchen aus, schlang sie um den Hals des Riesen und küsste ihn auf den Mund. Und wie die anderen Kinder sahen, dass der
Riese nicht mehr böse war, kamen sie schnell zurückgelaufen, und mit ihnen kam auch der Frühling. „Der Garten gehört jetzt euch, Kinderlein“, sagte der Riese, und er nahm eine große Axt und hieb die Mauer um. Und als die Leute um zwölf Uhr zum Markt gingen, sahen sie den Riesen mit den Kindern spielen, in dem schönsten Garten, den sie je geschaut hatten.
Den ganzen Tag spielten sie und am Abend kamen sie zum Riesen und wünschten ihm eine gute Nacht.
„Aber wo ist denn euer kleiner Kamerad?“ fragte er, „der Junge, dem ich auf den Baum geholfen habe?“ Der Riese liebte ihn am meisten, weil er ihn geküsst hatte. „Wir wissen´s nicht“, antworteten die Kinder, „er ist fortgegangen.“ „Ihr müsst ihm sagen, er soll sicher morgen wiederkommen“, sagte der Riese. Aber die Kinder antworteten, sie wüssten nicht, wo er wohne, und sie hätten ihn zuvor nie gesehen; da wurde der Riese sehr traurig. Jeden Nachmittag nach Schluss der Schule kamen die Kinder und spielten mit dem Riesen. Aber der kleine Knabe, den der Riese so liebte, ließ sich nie mehr sehen. Der Riese war sehr gut mit den Kindern, aber er sehnte sich nach seinem kleinen Freunde und sprach oft von ihm. „Wie gern möcht´ ich ihn wiedersehn!“, sagte er immer und immer.
Jahre vergingen, und der Riese wurde alt und schwach. Er konnte nicht mehr unten mit den Kindern spielen, und so saß er in seinem mächtigen Armstuhl und sah ihnen zu und freute sich an seinem Garten. „Ich habe viele schöne Blumen“, sagte er; „aber die aller schönsten Blumen von allen sind die Kinder.“
An einem Wintermorgen sah er beim Ankleiden aus seinem Fenster. Plötzlich rieb er sich verwundert die Augen und sah und sah. Es war wirklich ein wundersamer Anblick. Im fernsten Winkel des Gartens war ein Baum ganz bedeckt mit lieblichen weißen Blüten. Seine Äste waren lauter Gold, und silberne Früchte hingen an ihnen, und
darunter stand der kleine Knabe, den er so geliebt hatte.
Hocherfreut eilte der Riese die Treppe hinunter und in den Garten. Er lief über den Rasen auf das Kind zu. Und als er ihm ganz nahe gekommen war, wurde sein Gesicht rot vor Zorn und er sagte: „Wer hat es gewagt, dich zu verwunden?“, rief der Riese; „sag es mir, damit ich mein großes Schwert nehme und ihn erschlage.“
„Ach nein“, antwortete das Kind; „dies sind die Wunden der Liebe.“
„Wer bist du?“, sagte der Riese, und eine seltsame Scheu überkam ihn, und er kniete vor dem kleinen Kinde.
Und das Kind lächelte den Riesen an und sprach zu ihm: „Du ließest mich einst in deinem Garten spielen, heute sollst du mit mir kommen in meinen Garten, in das Paradies.“
Und als die Kinder an diesem Nachmittag hereinstürmten, da fanden sie den Riesen tot unter dem Baume liegen und ganz bedeckt mit weißen Blüten.
Oscar Wilde
Mein Hirt ist Gott der Herr
mir fehlt nichts
er führt mich mitten durch wüsten zu einer Oase
und lässt mich finden einen quell
er lenkt meine Sehnsucht
und meine Neugier die groß ist
und lässt mich finden meinen weg
und wenn ich auch oft
durch dunkle tiefen muss bis an den Rand des Todes
ich fürchte nicht meinen Untergang
denn DU verborgener begleitest mich
dein stock den ich spüre an meinem leib
sagt mir dass du mich nicht aus dem Auge verlierst
und was mich bedrückt wird plötzlich zum Trost
und du leitest mich
auf des Messers Schneide durch Dunkelheit
die umschlägt in licht
du hast immer zur rechten Zeit einen Tisch mir gedeckt
und wenn ich meine jetzt hat ER mich verlassen
dann fällt plötzlich Brot aus der Luft
du erfrischst mein Gesicht
wenn Angstschweiß mir auf der Stirne steht
und wenn meine Zunge am Gaumen klebt und ich sprachlos bin
kommt unverhofft ein schluck Hoffnung
mein weg ist gezeichnet
von Glück und Angst und Glück
und immer aufs neue umgibst du mich
mit Zeichen der Freundschaft – DU
Wilhelm Willms
Ein Freund ist einer ...
In einer irgendwie melancholischen Stimmung beginne ich zu überlegen, wer denn eigentlich meine Freunde waren und sind. Ja, was verlangt man denn eigentlich von einem Menschen, damit man ihn Freund nennen kann? „Ein Freund ist einer, vor dem ich laut denken darf“, sagt Emerson.
Da ist also zunächst die Ehrlichkeit, dass ein Freund dir einmal auch unbequeme Dinge ins Gesicht sagt, dich nicht hinter deinem Rücken ausrichtet. Zur Freundschaft gehört aber auch die Zeit, die man für den anderen hat, dass man ihm zuhört, sich gemeinsam ausspricht. Man versteht sich mit einem Freund aber auch ohne viele Worte. „Es gibt kaum etwas Besseres, als mit einem guten Freund über ein interessantes Thema zu schweigen“, sagt Alex Guinness. Und das besondere Kennzeichen der Freundschaft ist selbstverständlich die Treue, dass man eben gerade in dem Augenblick, in dem es dem anderen schlecht geht, in dem er uns braucht, zu ihm steht nach dem Sprichwort „Gute Freunde in der Not, gehen hundert auf ein Lot“.
Freundschaft ist also etwas Überdauerndes. Und da ist selbstverständlich noch das Vertrauen, dass man sich auf den anderen blind verlassen kann und gleichzeitig auch dem anderen die Sicherheit gibt, er kann auf mich bauen. Wenn ich mich an meine ersten Freunde erinnere, dann war da über die Tatsache hinaus, dass man miteinander gespielt hat, sich miteinander gegen jemand verbündete, noch etwas Besonderes. Hatte man da nicht mit seinem ersten Freund so etwas wie ein kleines Geheimnis, das nur er und ich wissen durften.
Was ein Freund ist und war, erkennt man wie vieles im Leben meist erst dann, wenn man voneinander weggehen muss. Manchmal freilich brechen Freundschaften auch auseinander. Man verliert einen Freund oder merkt, dass es doch kein echter Freund war. Freunde sind nicht beliebig austauschbar. Vielleicht macht es sogar das Besondere der Freundschaft aus, das Wertvolle, aber auch das Traurige, dass man im Leben immer wieder Abschied nehmen muss, auch von den besten Freunden. Der Christ hofft freilich, wie mein guter Freund, der Pfarrer Hausladen, immer wieder verkündet, dass wir über alle Zeit hinaus gehalten sind von dem besten Freund, den der Mensch hat und auf den das Wort von Hubbard zutrifft: „Der Freund ist einer, der alles von dir weiß, und dich trotzdem liebt.“
Phil Bosmans
Wie die Menschen das Staunen verlernten und
warum sie sich plötzlich wunderten
Eines Tages war es soweit. Es gab keine Wunder mehr. Die Menschen hatten die Welt enträtselt, jedenfalls meinten sie das. Wie mit einem riesigen Vergrößerungsglas hatten sie sich die Dinge aus der Nähe angesehen und beinahe alles aufgelöst in Formeln und Strukturen. Wenn beispielsweise eine Blume zu wachsen begann, konnten sie rasch erklären, wie das zuging. Nicht anders war es, wenn es Sommer wurde oder Winter, zwei Menschen sich ineinander verliebten oder wenn ein Kind zur Welt kam.
Nichts war mehr geheimnisvoll. Alles war durchschaubar geworden – und beherrschbar. Denn je genauer die Menschen die Welt zu erklären vermochten, desto größer wurde auch ihre Fähigkeit, die Dinge zu verändern. Schon bald begann man, in riesigen Laboratorien eine neue Welt zu konstruieren, die alle Menschen glücklich machen sollte. Aber die Menschen wunderten sich nicht schlecht, dass sie – was immer sie auch unternehmen wollten – nicht glücklicher wurden. Im Gegenteil, je mehr sie erklärten und entwickelten, desto kälter und unwirtlicher wurde die Welt. Und was einmal ein großes Ganzes war, in dem alles miteinander in Beziehung stand, fiel nun auseinander in ein zusammenhangloses Nebeneinander von Dingen, die keiner mehr ganz begriff. Am Ende schien die Welt selbst wie ein riesiges Laboratorium, in dem sich keiner mehr wohlfühlte. Eine abgrundtiefe Traurigkeit legte sich auf die Herzen der Menschen, und sie ahnten: „Wir haben zwar manches erklären können, aber verstanden haben wir offenbar nichts.“
Da geschah es, dass ein Forscher, der eines Abends völlig niedergeschlagen sein Laboratorium verließ, auf ein kleines Kind aufmerksam wurde, das mit großer Ehrfurcht eine Blume betrachtete. Und wie er dem Kind in die Augen sah, erkannte er tief innen so etwas wie Liebe leuchten. Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. „Wir haben die Dinge nicht erkennen, sondern beherrschen wollen. Wirkliches Erkennen beginnt mit dem Staunen. Wer staunt, lernt das Leben lieben, ohne es für seine Zwecke benützen zu wollen. Und nur wer liebt, rührt an das Geheimnis der Dinge. Das Leben ist eben kein Rätsel, das man gewaltsam wie eine Nuss knacken kann. Es ist ein Geheimnis, das einem aufgehen muss – so, wie sich eine Blume in den Strahlen der Morgensonne öffnet und entfaltet.“
Tief erfüllt von dieser Begegnung ging er seines Weges. Wohin ihn dieser Weg führte, weiß heute keiner mehr ganz genau zu sagen. Aber es heißt, er habe seinen Weg gefunden.
Ulrich Peters
Glaube
Der Glaube wird von der Liebe getragen
Roland Leonhardt
Der Glaube an Gott richtet auf.
Roland Leonhardt
Ich glaube an die Sonne, auch wenn ich sie nicht sehe; ich glaube
an die Liebe, auch wenn ich sie nicht spüre; ich glaube an Gott,
auch wenn ich ihn nicht erfahre.
Aus dem Warschauer Ghetto
Die Liebe ist die Grundlage des Glaubens. Wer nicht liebt, kann auch nicht wahrhaft glauben.
Roland Leonhardt
Glauben heißt sich Gott zur Verfügung stellen.
Louis Evely
Der Glaube an Gott ist eine unversiegbare Quelle der Freude und des Vertrauens.
Georg Moser
Wer an Jesus Christus glaubt, muss nicht allein sterben.
Karl Lehmann
Wer überhaupt nach dem Sinn des Lebens fragt, der hat schon den Anfang des Glaubens an Gott.
Hugo Lang
Der Glaube ist der erste Schritt des Menschen von sich weg zu Gott hin.
Alfred Delp
Gott mutet uns Glauben an, nicht zu.
Werner Steinberg
Das Verständnis ist der Lohn des Glaubens. Suche daher nicht zu
verstehen, um zu glauben, sondern glaube, um zu verstehen.
Augustinus
Das allein bedeutet Glauben: buchstäblich keinen Boden
mehr unter den Füßen und keine Kraft in sich selbst zu haben
und dennoch vertrauen.
Manfred Hausmann
Glaube macht unser Leben lebendiger, nicht bequemer.
Werner Steinberg
Wir müssen unsern Glauben glaubhaft machen.
Considine
So leicht ist es nicht, wenn man sagt: „Ich glaube an Gott.“ Es hat Konsequenzen.
Considine
Wenn der Glaube an Gott erloschen ist, wird sich die Welt vor nichts mehr fürchten.
Gertrud v. Le Fort
Der Glaube an das Gute vermehrt das Gute in der Welt.
Hans Margolius
Der Glaube bewahrt nicht vor Sorge und Leid, aber er gibt Geborgenheit selbst in Sorge und Leid.
Wilfried Busenbender
Glauben ist Weisheit und Weisheit ist Glauben.
Nachmanides
Der Sorgenbaum
Wenn die Chassidim untereinander wetteiferten, wer von ihnen am meisten vom Leid geplagt sei und daher das größte Anrecht habe, sich zu beklagen, dann erzählte der Zaddik ihnen die Geschichte vom Sorgenbaum:
Am Tag des Jüngsten Gerichts darf jeder all seinen Kummer an einen Ast des großen Sorgenbaums hängen. Wenn jeder einen Zweig gefunden hat, an dem sein ganzer Jammer baumeln kann, beginnen sie, langsam um den Baum herumzugehen. Jeder darf sich das Bündel Sorgen aussuchen, das er seinem eigenen vorziehen würde. Am Ende nimmt sich jeder lieber wieder das eigene Bündel vom Baum, als das eines anderen zu tragen, und jeder geht weiser, als er kam.
Eine chassidische Geschichte
Die große Stille
An einem schönen Sommertag um die Mittagszeit war große Stille am Waldrand. Die Vögel hatten ihre Köpfe unter die Flügel gesteckt, und alles ruhte. Da streckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte: „Was ist eigentlich das Leben?“ Alle waren betroffen über diese schwierige Frage. Im großen Bogen flog der Buchfink über die weite Wiese und kehrte zu seinem Ast im Schatten des Baumes zurück.
Die Heckenrose entfaltete gerade ihre Knospe und schob behutsam ein Blatt ums andere heraus. Sie sprach: „Das Leben ist eine Entwicklung.“ Weniger tief veranlagt war der Schmetterling. Er flog von einer Blume zur anderen, naschte da und dort und sagte: „Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein.“ Drunten im Gras mühte sich eine Ameise mit einem Strohhalm, zehnmal länger als sie selbst und sagte: „Das Leben ist nichts anderes als Mühsal und Arbeit.“
Geschäftig kam eine Biene von der honighaltigen Blume auf der Wiese zurück und meinte dazu: „Nein, das Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen.“
Wo so weise Reden geführt wurden, steckte auch der Maulwurf seinen Kopf aus der Erde und brummte: „Das Leben? Es ist ein Kampf im Dunkeln.“
Nun hätte es fast einen Streit gegeben, wenn nicht ein feiner Regen eingesetzt hätte, der sagte: „Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen.“ Dann zog er weiter zum Meer. Dort brandeten die Wogen und warfen sich mit aller Gewalt gegen die Felsen und stöhnten: „Das Leben ist stets vergebliches Ringen um Freiheit.“ Hoch über ihnen zog majestätisch der Adler seine Kreise. Er frohlockte: „Das Leben, das Leben ist ein Streben nach oben.“
Nicht weit vom Ufer entfernt stand eine Weide. Sie hatte der Sturm schon zur Seite gebogen. Sie sagte: „Das Leben ist ein ‚Sich-neigen’ unter eine höhere Macht.“
Dann kam die Nacht. Mit lautlosen Flügeln glitt der Uhu über die Wiese dem Wald zu und krächzte: „Das Leben heißt: die Gelegenheit nützen, wenn andere schlafen.“ Und schließlich wurde es still in Wald und Wiese. Nach einer Weile kam ein junger Mann des Wegs. Er setzte sich müde ins Gras, streckte dann alle viere von sich und meinte, erschöpft vom vielen Tanzen und Trinken: „Das Leben ist das ständige Suchen nach Glück und eine lange Kette von Enttäuschungen.“
Auf einmal stand die Morgenröte in ihrer vollen Pracht auf und sprach: „Wie ich, die Morgenröte, der Beginn des neuen Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit!“
Ein schwedisches Märchen
Der Krüppel
Eine nachdenklich stimmende Erzählung von Emmerich Lang
„Muss das sein?“, sagte ich zu Anita. „Du weißt doch, dass ich menschliches Elend nicht sehen kann. – Ich verstehe ja überhaupt nicht, wie er das aushält. Ich hätte an seiner Stelle schon lange
Schluss gemacht …“
Meine Frau war nämlich der Meinung, dass ich – wo wir uns nach langer Zeit wieder einmal in der alten Heimat aufhielten – unbedingt auch meinen Vetter besuchen müssten, der vor zwei Jahren bei einem Autounfall beide Beine verloren hatte. Wir hatten von dem Unglück brieflich erfahren und wussten nicht viel mehr, als dass er seinen Beruf hatte aufgeben müssen und an den Rollstuhl gefesselt war.
„Wenn du nach so langer Zeit wieder einmal hier bist, dann gehört es sich, dass du deine Verwandten aufsuchst. Und Robert wird sich ganz besonders darüber freuen. In seinem Zustand kommt man sowieso viel zu wenig unter die Leute und ist froh über jeden Besuch!“, meinte meine Frau.
„Red´ dir doch nicht so was ein!“, rief ich. „Einem Krüppel muss es doch äußerst peinlich sein, wenn Leute kommen und ihn anstarren und in seinem Elend bedauern!“
„Du sollst ihn nicht bedauern! – Das wäre ganz verkehrt! Aufmuntern sollst du ihn! So tun, als sei das gar nicht so schlimm …!“
„So tun!“ fauchte ich. „Da hältst du aber meinen Vetter für blöder als er ist. Glaubst du, der merkt es nicht, wenn wir ihm so ein Theater vorspielen? – Deswegen bin ich dafür, dass wir überhaupt nicht hinfahren und uns die peinliche Situation ersparen!“
Anita gab nicht nach. Ich hatte schon den Verdacht, dass weniger verwandtschaftliches Mitgefühl als weibliche Neugier ihr Antrieb war, denn sonst ist sie gar nicht so erpicht auf Besuchstouren zu meinen Verwandten.
Inge, Roberts Frau, öffnete uns und war – wie es schien – ganz außer sich vor Freude.
„Robert! Stell dir vor, wer da ist!“, rief sie ins Zimmer.
„Spann mich nicht auf die Folter! Wer ist es denn?“, kam eine keineswegs traurige Stimme aus dem Wohnzimmer. „Na, das ist aber wirklich eine Überraschung, dass ihr euch einmal anschauen lasst!“, rief Robert aus, als wir eintraten, und streckte uns beide Hände entgegen.
Ehrlich gesagt, wir kamen gar nicht in die Situation, vor welcher ich solche Angst gehabt hatte. Ich hatte meinen alten Spielkameraden selten so aufgeräumt gesehen und hätte nicht geglaubt, dass man mit einem Menschen, der so etwas mitgemacht hat, ganz ehrlich über sein Unglück reden kann. Ja, als die beiden Frauen am Nachmittag noch einige Besorgungen machten und uns auf der Terrasse allein
ließen, fragte ich ihn ganz offen:
„Sag einmal, wie schaffst du das? – Ich meine, dass du trotzdem so fröhlich und ausgeglichen bist! – Du spielst uns doch kein Theater vor? – Nein, das würde ich merken. Ich kann es nicht begreifen!“
„Am Anfang ging es mir auch ganz belämmert, das kannst du mir glauben!“, erwiderte er. „Aus! Ende! Schluss! dachte ich. Wenn ich damals Inge nicht gehabt hätte – ehrlich, ich habe bis zu jenem Zeitpunkt nicht gewusst, was für eine großartige Frau ich geheiratet habe! –, wär´s wahrscheinlich schiefgegangen. Sie hat mich über die ärgste Zeit gebracht, bis ich entdeckte, dass der Mensch aus mehr besteht als aus zwei Beinen. Ich hatte ja noch meine Hände und meinen Kopf – und meine Jugendträume! Kannst du dich noch erinnern, was ich immer wollte?“
„Ja!“, rief ich aus. „Du wolltest Maler werden. Soweit ich mich erinnere, hast du ja auch später neben dem Beruf noch so als Hobby …, malst du vielleicht wieder?“
Er nickte und setzte den Rollstuhl in Bewegung. Ich erhob mich und folgte ihm durch die Wohnung bis zu einer Tür, die er aufstieß. Der Raum, der dahinter lag, war als Werkstätte eingerichtet. Es roch nach Holz, Terpentin und Farbe. Rustikale Möbel standen herum, ein Teil noch naturbelassen, ein anderer bereits mit farbenbunten
Bauernmustern verziert.
„Na, was sagst du nun?“, fragte Robert.
„Phantastisch!“, rief ich aus. „Wenn Anita diesen Sessel sieht, wird sie ihn um jeden Preis haben wollen. Sie ist ganz verrückt nach solchen Dingen … – Und das machst du alles selbst?“
„Nein, natürlich nicht! Die rohen Möbel und Gegenstände bekomme ich aus einer Tischlerei hier in der Nähe, die vor Jahren einmal nach Helfern inseriert hatte. Meine Frau ging heimlich hin mit allerlei Proben aus meiner Malmappe. Man war sehr angetan und dann gern behilflich, den Raum hier fachmännisch einzurichten, sodass man auch die Möbelstücke in die rechte Höhe für mich stellen kann, wozu hin und wieder ein Helfer erscheint. Die fertig bemalten Stücke werden dann wieder abgeholt. Ich muss mich manchmal sogar beeilen, genügend Stücke fertig zu bekommen. Unser Lebensunterhalt ist also wieder gesichert, ganz abgesehen von dem Spaß, den ich an dieser Arbeit habe!“
Ich atmete auf. Anita hatte also doch Recht gehabt, als sie meinem Vetter und seiner Inge zugetraut hatte, auch mit den Schwierigkeiten eines grausamen Schicksals fertig zu werden.
Das Lied einer blinden Sängerin
Fanny Jane Crosby war eine ungewöhnlich fröhliche Frau, obwohl sie schon als Kind erblindete. Im Alter von sechs Wochen bekam sie eine Augenkrankheit. Freundliche, aber völlig unkundige Helfer wollten mit einem falschen Mittel beikommen. Man machte einen heißen Umschlag. Dadurch verlor das Kind sein Augenlicht. Jahrzehnte später hat sie im Rückblick auf ihr Leben ausgesprochen, dass sie „nie einen Funken von Groll“ jener ungeschickten Helferin gegenüber gefühlt habe, die ihr dieses Leiden zufügte. „Ich habe allezeit geglaubt“, sagte sie, „dass der gütige Herr durch diese Wege mich zubereitete, das Werk zu tun, das er mir anvertraut hat. Wenn ich überlege, wie ich gesegnet wurde, wie kann ich unzufrieden sein?“ Als Lehrerin eines Blindenheims hat sie 8.000 Lieder gedichtet, darunter auch dieses:
Gott wird dich tragen, drum sei nicht verzagt,
treu ist der Hüter, der über dich wacht.
Stark ist der Arm, der dein Leben gelenkt,
Gott ist ein Gott, der der Seinen gedenkt.
Gott wird dich tragen, wenn einsam du gehst;
Gott wird dich hören, wenn weinend du flehst.
Glaub es, wie bang dir der Morgen auch graut,
Gott ist ein Gott, dem man kühnlich vertraut.
Gott wird dich tragen durch Tage der Not;
Gott wird dir beistehn in Alter und Tod.
Fest steht das Wort, ob auch alles zerstäubt,
Gott ist ein Gott, der in Ewigkeit bleibt.
Gott wird dich tragen mit Händen so lind.
Er hat dich lieb wie ein Vater sein Kind.
Das steht dem Glauben wie Felsen so fest:
Gott ist ein Gott, der uns nimmer verlässt.
Winrich Scheffbuch
Keiner lebt für sich allein – Gottesdienst zu Beginn der Pfingstzeit
Inhalt:
12. Gottesdienstgestaltung: Keiner lebt für sich alleine12.01 Idee und Gestaltung
12.02 Durchführung
12.03 Lied: Wie ein Tropfen auf den heißen Stein
12.04 Eingangspsalm: Psalm 103, 1-4.8. 10.-13.22
12.05 Gebet
12.06 Lied: Hört, wen Jesus glücklich preist
12.07 Meditation
12.08 Übertragung 1. Korinther 12, 12-20.27
12.09 Lied: Zum Glauben gerufen
12.10 Hinführung zum Körperspiel
12.11 Meditation
12.12 Lied und Aktionsteil
12.13 Lied: Einander brauchen
12.14 Fürbittengebet
12.15 Segen
12.16 Technik und Vorbereitung
Idee und Gestaltung
Dieser Gottesdienst versucht den Schülern in seinen Gebets-, Lied-, Meditations- und Aktionsteilen die pfingstliche Botschaft aus 1. Korinther 12, 12-27 nahezubringen. Dabei lässt sich der Skopus der Perikope so zusammenfassen: „Keiner lebt für sich allein.“
Um diese Aussage transparent zu machen, benutzt Paulus ein Gleichnis. Er beschreibt seine Vision einer christlichen Gemeinschaft mit dem Bild vom menschlichen Körper. Paulus will sagen: wir Christen sind wie ein großer Körper, der aus vielen Gliedern besteht, die untrennbar zusammengehören. Jedes Glied ist für das andere unentbehrlich. Jedes Glied hat eine wichtige Aufgabe im Gesamtorganismus. Jedes Glied ist nötig, um den Köper lebensfähig zu halten.
Der Apostel spricht mit diesem Gleichnis in eine konkrete korinthische Situation hinein. In eine Situation, in der der Alltag christliche Konturen abgeschliffen hat, in der nicht mehr viel zu spüren ist vom Geist Jesu, von Vertrauen, von Gemeinschaft, von Demut und Nächstenliebe. Und ich denke: Korinth ist überall. Korinther gibt es auch heute, auch in der Schule.
Denn obwohl Christen sich zu Gott bekennen, leben sie andererseits nach Maßstäben und Normen, die ganz oben auf der Tagesordnung der Welt stehen: Konkurrenzkampf, Vergeltung, Besitzstreben und das Horten eigener Möglichkeiten. Paulus hält mit seinem Gleichnis den Christen damals und heute einen Spiegel vor, den Spiegel Jesus Christus. Der Apostel macht deutlich, dass ein Einbahnstraßenchristentum, in dem jeder nur an sich und seinen eigenen Vorteil denkt und den Mitmenschen, den Mitschüler übersieht, nicht dem Willen Gottes entspricht. Vielmehr gilt: Die Existenzberechtigung einer christlichen Gemeinschaft in all ihren Erscheinungsformen und auf all ihren Einübungsfeldern (Familie, Schule, Gemeinde usw.) beruht auf gegenseitiger Annahme und Teilhabe, im wechselseitigen Geben und Nehmen, in einer Art „Lastenausgleich“.
In diesem Zusammenhang wurde für den Gottesdienst ganz bewusst das paulinische Körpergleichnis aus dem Ersten Korintherbrief gewählt. Gerade das Bild vom Körper und seinen Gliedern ist sehr tragfähig, um die Pfingstbotschaft „Keiner lebt für sich allein“ in die Situation der Schulgemeinde zu transportieren. Durchgängig wurde die Aussage dieses Gleichnisses im Kontext des Gottesdienstes durchbuchstabiert, sei es als Antigeschichte (=Traummeditation), als Spiel, als Aktion oder als gesungenes und gesprochenes Wort.
Durchführung
Liebe Schüler!
Zu diesem Gottesdienst kurz vor Pfingsten heiße ich euch herzlich willkommen. Pfingsten – bei diesem Wort wird vielleicht mancher von euch stutzig. Euch fallen Bilder, Begriffe ein wie „Feuerzungen“ oder „Heiliger Geist“.
Und – schon wird’s schwierig. Wie soll man mit diesen biblischen Aussagen hantieren, sie ins eigene Leben übersetzen, sie in kleine, verstehbare Münze wechseln.
Vielleicht kann dieser Gottesdienst ein Stück weit dazu beitragen, die Pfingstbotschaft begreifbar zu machen. Denn Pfingsten bedeutet: Keiner lebt für sich allein.
Diese Botschaft will uns Mut machen, unsere ganz privaten Schneckenhäuser zu verlassen, in die wir uns so oft verkriechen, um unseren Ärger und unsere Hochgefühle zu pflegen.
Diese Botschaft will uns Mut machen, uns beflügeln, die Panzer unserer Ichverliebtheit zu sprengen, damit wir offen werden für andere und damit auch andere öffnen für uns.
Denn – wenn Pfingsten bedeutet: Keiner lebt für sich allein, dann heißt das: Sperrt euch nicht ab mit dem, was euch freut und was euch bedrückt. Pfingsten bedeutet die befreiende Botschaft: Lasst andere an eurem Lachen und an euren Tränen teilhaben, und ihr werdet merken: Es ist gut, dass ich mit anderen zusammen fröhlich sein kann. Es ist gut, dass ich jemanden habe, dem ich meine Sorgen anvertrauen darf. Es ist gut, dass ich mich nicht mit allem allein herumschlagen muss. Es ist gut, Freunde zu haben und anderen zum Freund zu werden.
Der Schreiber des Ersten Petrusbriefes hat das einmal so ausgedrückt: „Dienet einander, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat“ (1. Petrus 4,10a).
Lied:
Wie ein Tropfen auf den heißen Stein (tvd B 66)
Eingangspsalm: Psalm 103, 1-4.8.10.-13.22:
(von den Schülern im Wechsel gesprochen)
I Lobe den Herrn, meine Seele,
II und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
I Lobe den Herrn, meine Seele,
II und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
I der dir alle deine Sünden vergibt
II und heilet alle deine Gebrechen
I der dein Leben vom Verderben erlöst,
II der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.
I Barmherzig und gnädig ist der Herr,
II geduldig und von großer Güte.
I Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden
II und vergilt uns nicht nach unserer Missetat.
I Denn so hoch der Himmel über der Erde ist,
II lässt seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.
I So fern der Morgen ist vom Abend,
II lässt er unsre Übertretungen von uns sein.
I Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt,
II so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.
I Lobet den Herrn, alle seine Werke, an allen Orten
seiner Herrschaft!
II Lobe den Herrn, meine Seele!
Gebet
Herr,
ich bin unterwegs
- mit anderen
ich möchte sie mitgehen lassen
- aber ich habe selber Probleme, Fragen, Sorgen
und weiß oft nicht, wie mein Weg weitergeht
ich möchte sie mitleben lassen
- aber ich fühle mich überfordert
ich möchte die Fragen anderer hören
- und höre oft nur die meinen
ich möchte anderen Mut, Hoffnung machen
- und spüre selber Angst in mir
ich möchte andere nicht abhängen und stehen lassen
- aber ich schleppe mich selbst dahin
ich möchte anderen sagen, dass DU der Weg und das Leben bist
- und ich kann es selber nur ahnen
ich möchte …
Und trotzdem, Herr, möchte ich den Weg wagen, der zu den Menschen geht. Es wird ein Weg mit Rückschlägen, Enttäuschungen und Umwegen sein, aber auch ein Weg der Freude und neuer Erfahrungen. Ich möchte den „Weg“ zu den Menschen gehen, weil sich dadurch für andere vielleicht eine Welt ändern kann.
Ich möchte den Weg gehen, weil du den Weg zu den Menschen gegangen bist, weil du einer von uns geworden bist, weil wir dadurch wissen, dass der Weg sinnvoll ist und ein Ziel hat, weil wir auf diesem Weg vielleicht auch dir begegnen.
Lied:
Hört, wen Jesus glücklich preist (tvd B7)
Meditation
Liebe Schüler! Neulich wachte ich schweißgebadet auf. Mitten in der Nacht. Mitten aus einem Traum. Im Schlaf hatte meine Phantasie Flügel bekommen. Sie trugen mich in eine Schulklasse. Irgendeine. Irgendwo. Ich saß hinten in der letzten Bank. Ganz allein. Sozusagen als stiller, unbemerkter Beobachter.
Vor mir ungefähr 30 Schüler. Auf dem Unterrichtsplan stand Religion. Thema der Stunde: „Jesus Christus schafft Gemeinschaft.“
Der Lehrer vorne am Pult erzählte gerade die Geschichte von Zachäus. Er sprach darüber, dass der Zöllner äußerlich sehr reich war, aber im Herzen arm. Keiner in Jericho wollte etwas mit ihm zu tun haben. Man ließ ihn links und rechts liegen, weil er andre ausbeutete und mit den verhassten Römern zusammenarbeitete. Doch dann begegnete ihm Jesus. Er bot Zachäus Freundschafft an, wollte mit ihm reden und essen.
Die Schüler schien das alles nicht sonderlich zu interessieren. Peter, er saß direkt vor mir, bastelte Papierkrampen. Silvia schlug ihr Englischbuch auf, um Vokabeln zu lernen. Vorn, in der ersten Reihe, stritten sich Paul und Martin. Peter hatte gerade seine ersten Krampen fertig. Er spannte ein Gummiband, man hörte es leise Surren, und kurz darauf schrie Marion: „Du blöder Affe“. Peter hatte sie am Hinterkopf getroffen und fauchte zurück: „Du bist ja selber blöd. Du schreibst ja nur Fünfen und Sechsen. Du hast überhaupt keine Ahnung.“ Jetzt schaltete sich Renate ein: „Peter, du alter Streber. Du könntest Marion doch auch mal helfen. Ihr wohnt ja im selben Haus. Da wäre es doch möglich, dass ihr ab und zu zusammen lernt.“
In diesem Augenblick wurde Peter vom Lehrer gefragt: „Kannst du mir noch einmal sagen, wie sich die Begegnung mit Jesus auf das weitere Leben des Zachäus auswirkte?“
Peter wurde ganz verlegen, bekam einen roten Kopf und stammelte ein paar unverständliche Worte. Fast alle in der Klasse juxten und feixten. Sie waren schadenfroh. Endlich war Peter, der Streber, auch mal ins Fettnäpfchen getreten.
Während der Lehrer noch bei Peter stand, ging vorn der Streit zwischen Paul und Martin weiter. Er war mittlerweile schon zu einer im wahrsten Sinn des Wortes handgreiflichen Sache ausgeufert.
Zwei Bänke weiter. Jürgen schnappte gerade die Schultasche von Simone auf, die Fritz ihm zugeworfen hatte. Kurz darauf flogen die Hefte und Bücher durch die Klasse. Simone sprang auf und verpasste Jürgen eine Ohrfeige. Der drohte ihr dafür nach der Stunde Prügel an.
Von all dem hatte der Lehrer, der immer noch Peter ermahnte, sich besser zu konzentrieren, nichts mitbekommen. Und der Kleinkrieg in der Klasse tobte weiter. Inzwischen kam bei Mario, der erst seit drei Monaten hier auf der Schule war, ein Zettel an. Auf dem stand: Italiener sind doofe, dicke Spaghettifresser.
Unterschrift: Matthias, Kai und Uwe. Mario zerriss den Zettel und lief heulend aus dem Klassenzimmer. Sabine, die neben ihm saß, schaute Kai wütend an und sagte: „Das war heute Morgen das letzte Mal, dass ich dir mein Physikheft zum Abschreiben gegeben habe.“
Jetzt endlich schaltete sich der Lehrer ein, stellte Kai und die anderen beiden zur Rechenschaft und trug sie ins Klassenbuch ein, wegen unkameradschaftlichen Verhaltens.
In diesem Augenblick ertönte der Pausengong. Die Stunde war zu Ende. Mein Traum auch. Ich erwachte. Doch den ganzen Tag ließ er mich nicht los, dieser schulische Alptraum von einer Klasse, in der es von Spannungen nur so vibrierte, in der jeder für sich allein zu leben schien. Und als ich abends in der Bibel einige Abschnitte aus dem Ersten Korintherbrief las, da entdeckte ich erstaunliche Parallelen.
Denn in der christlichen Gemeinde von Korinth, die der Apostel Paulus im Jahr 50 nach Christus gegründet hatte, war das Klima der Christen untereinander ähnlich frostig wie in jener Schulklasse meines Traumes. Ja, man war in Korinth weit davon entfernt, eine ideale, vorbildliche Gemeinschaft zu leben.
Da gab es verschiedene christliche Cliquen, die gegeneinander arbeiteten. Da gab es Gemeindeglieder, die sündigten, die andere beraubten, schlecht über Leute redeten oder fremde Götter anbeteten. Da gab es Christen, die Ehebruch begingen, die sich scheiden ließen, die sich nicht um ihren Ehepartner kümmerten. Da gab es einzelne, die meinten: Ich bin besser, ich kann mehr, ich bin gefestigter im Glauben als andere. Wir sehen: In der christlichen Gemeinde in Korinth war wenig zu spüren vom Geist Jesu, von Nächstenliebe, von Gemeinschaft, von Vertrauen.
Ich glaube, dass Paulus, der gerade weit weg von Griechenland, in der Türkei weilte, sehr traurig war, als er von den Spannungen in Korinth hörte. Dass er sich fragte: Haben die Christen dort vergessen, dass Streit und Zank, Rechthaberei und Vorteilsdenken nichts gemein haben mit Jesu Botschaft der Gottes- und Nächstenliebe? Wo bleibt ihr Wissen davon, dass Christen eine große Gemeinschaft sind, in der keiner für sich allein lebt, sondern mit anderen und für andere?
Und so beschließt Paulus, den Christen in Korinth einen Brief zu schreiben.
Ein Schüler wird uns einige Gedanken aus dem zwölften Kapitel des Ersten Korintherbriefes mit seinen Worten weitersagen.
Übertragung 1. Korinther 12, 12-20.27
(Ein Schüler kommt mit einem großen Briefbogen nach vorn und liest)
Liebe Brüder und Schwestern in Korinth!
Einer aus eurer Mitte hat mir berichtet, dass es bei euch Streit und Spannungen gibt, dass ihr euch untereinander nicht mehr richtig versteht, nicht mehr alle an einem Strang zieht. Ich bin darüber sehr betrübt und bete zu unserem Herrn Jesus Christus, er möge euch die Bereitschaft und die Kraft schenken, alles, was euch trennt, was euch das Zusammenleben schwer macht, zu überwinden. Ihr wisst doch, Christus ist für unser Versagen, unsere Schuld am Kreuz gestorben, damit wir versöhnt leben können.
Darum bitte ich euch: Bemüht euch um eine gute Gemeinschaft. Seht in euren Mitmenschen nicht den Gegner, den Konkurrenten, sondern den Nächsten, der euch braucht. Denn jeder von euch ist ein Geschöpf Gottes, ist ein einmaliger Liebesgedanke in seinem Herzen. Jeder von euch ist begabt, hat Fähigkeiten und Möglichkeiten, mit denen er anderen helfen kann. Jeder von euch ist wichtig. Jeder auf seine Weise. Deshalb hat jeder auch den anderen nötig. Wir arm wäre doch euer Leben, wenn jeder für sich allein lebt? Mit wem wollt ihr dann eure Freuden und Sorgen teilen, mit wem lachen, singen und fröhlich sein? Darum: Seid eines Sinnes. Nehmt euch einander an, wie auch Christus einen jeden von uns angenommen hat. Liebt euch untereinander, denn ER hat uns zuerst geliebt. Seht in jedem Menschen euren Bruder, eure Schwester.
Ich will euch das mit einem Bild deutlich machen. Stellt euch vor: Ihr alle zusammen bildet einen großen Körper. Jeder von euch ist ein Glied dieses Körpers, ein Körperteil. Und ihr wisst doch: In einem Körper sind sämtliche Glieder und Organe wichtig, um alle Lebensfunktionen aufrechtzuerhalten. Da ist jedes Körperteil auf die anderen angewiesen. Da hat jedes Teil eine Aufgabe, die es für die anderen übernimmt. Denn der Fuß braucht z.B. das Auge, um zu wissen, wohin er gehen soll. Der Bauch braucht den Mund und die Speiseröhre, um Nahrung zu erhalten. Der Arm braucht die Finger, um etwas greifen zu können. Ich denke, ihr versteht, was ich euch mit diesem Bild sagen will: Ihr seid eine große Gemeinschaft, in der jeder wichtig ist. Ihr alle seid so wie ein großer Körper, ihr seid der Körper Jesu Christi. Und in eurem Zusammenleben soll deutlich werden: Ihr seid viele Glieder, aber ein Körper. Ihr habt viele Gaben, aber euch regiert ein Geist, der Geist Jesu, der Geist des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe.
Mit euch allen sei die Gnade unseres Herrn Jesus Christus.
Viele Grüße
Paulus
Lied:
Zum Glauben gerufen
alle Rechte: Lienhard Paul, Koblenz
Hinführung zum Körperspiel
Liebe Schüler!
Keiner lebt für sich allein. Jeder ist wichtig, hat Talente und Möglichkeiten, die er für andere fruchtbar machen kann. Das ist im Kern die Botschaft des Paulus im zwölften Kapitel des Ersten Korintherbriefes: Der Apostel vergleicht darin das Zusammenleben der Freunde Jesu mit einem Körper, der aus vielen Gliedern besteht, die alle aufeinander angewiesen sind.
Einige Schüler haben dazu ein kleines Stück einstudiert.
Spiel zu 1. Korinther, 12-27
(Für dieses Stück werden 7 Mitspieler benötigt. Näheres zum Technischen
unter dem Abschnitt „Technik und Vorbereitung“.)
Leiter: Guten Morgen, wer bist du denn?
Mund: Guten Morgen! Was heißt hier ‚du‘?
Wir sind doch nicht einer, wir sind viele!
Ich zum Beispiel, ich bin der Mund. Was ich alles kann!
Ich kann reden und singen und schreien. Ich kann
beißen und kauen und die Zunge herausstrecken,
und küssen kann ich auch.
Hand: Und ich bin die Hand. Was ich erst mal kann.
Ich kann
schreiben und hämmern und sägen und
noch viel
mehr. Ich kann hauen und streicheln.
Ich kann
sogar den ganzen Körper festhalten.
Und ich
stecke das Essen in den Mund und gebe
ihm zu
trinken. Wenn ich nicht wäre, dann könnte
der
Körper gar nicht leben. Ihr solltet mal alle so gut
sein
wie ich, dann wären wir erst ein tüchtiger Körper.
Fuß: Ich bin der Fuß. Ich kann gehen und stehen und
treten,
aber sonst kann ich nichts. Ich muss durch
jeden Dreck
und durchs Wasser laufen, überallhin,
wo der Körper will.
Ja, Hand, du hast es gut. Du bist
so tüchtig, und brauchst
nicht so dreckige Sachen
machen wie ich. Ach, ich würde
viel lieber selbst
bestimmen, was ich machen will, und
nicht immer
am Körper hängen. Mich beachtet ja ohnehin
niemand.
Und oft genug tritt jemand auf mich drauf.
Eigentlich bin ich
gar nicht so nötig. Und der Körper
könnte ganz gut ohne mich auskommen.
Hand: Ja, dummer Fuß, da hast du auch recht.
Du bist wirklich ein ungeschickter
Trampel.
Dich brauchen wir nicht, auf
dich können wir
gut verzichten.
Auge: Ich bin das Auge.
Ich zeige dem Körper die
ganze Welt,
alles, was es gibt.
Ohne mich könntet ihr alle nicht sehen und
würdet immer im Dunkeln herumtappen und
euch
überall blaue Flecken holen.
Ich kann auch anderen Menschen zublinzeln
und sie freundlich ansehen.
Und jeder sieht mich an.
Ich bin ja auch interessant. Wenn ich mir dagegen
das langweilige Ohr angucke – kein Wunder, dass
dich
niemand bewundert. Ihr solltet alle aus
Augen bestehen,
der ganze Körper. Was meint ihr,
was wir dann bewundert würden.
Ohr: Aber dann könnte der Körper doch gar nichts hören,
wenn wir alle aus Augen bestehen.
Auge: Ach, sei ruhig, du langweiliges Ohr.
Du hast nichts
zu sagen.
Ohr: Seht ihr, so geht es mir.
Ich bin das Ohr. Ich kann
hören,
aber sonst nichts.
Ich kann mich nicht mal zumachen.
Jeden Krach
und jede Frechheit
muss ich mir anhören. Ja, Auge,
du hast es viel besser, du kannst dich
einfach
zumachen, wenn du nichts
mehr sehen willst.
Und alle beachten dich.
Mich beachtet ja niemand,
höchstens lachen
tun sie über mich, weil ich
so abstehe.
Eigentlich bin ich ziemlich unwichtig.
Ich finde,
ihr könnt auch ganz gut ohne mich auskommen.
Auge: Du hast recht, Ohr. Dich brauchen wir nicht.
Was tust
du schon. Und die Hände brauchen wir
auch nicht.
Das sind doch alles primitive Arbeiten,
die du machst,
Hand.
Das Wichtigste im Leben ist doch schließlich
die
Schönheit der Welt, der Pflanzen und Tiere und
Menschen,
des Himmels und der Erde zu betrachten
und sich
daran zu freuen. Und das tue ich, ich allein.
Kopf: Na, Auge, nun gib mal nicht so viel an.
Der Wichtigste
bin schließlich ich.
Was würde aus euch allen werden,
wenn ich nicht denken würde.
Ohne mich könntet ihr
alle nicht sein,
ihr wäret tot. Und außerdem: ich habe
Ideen,
ich kann mir was merken, ich kann planen,
ich
kann Aufgaben lösen. Es mag ja alles ganz
wichtig
sein, was ihr da tut, aber ich mache euch
erst zum
richtigen Menschen.
Wenn ich mir dagegen den
dummen Fuß angucke,
oder das langweilige Ohr,
oder auch die Hand;
letzten Endes seid ihr nicht
wichtig.
Auf euch kann man ganz gut verzichten.
Euch brauche ich nicht.
Mund: Hört mal alle her, ihr anderen. Den größten Faulpelz
haben wir bisher noch ganz übersehen, den Bauch.
Wir müssen uns quälen und arbeiten.
Wir müssen ihn
tragen und anziehen und festhalten
und für ihn reden
und sehen und hören.
Und er tut nie etwas.
Das passt
mir nicht. Wir sollten uns das nicht länger
gefallen
lassen. Ich bin dafür, dass wir streiken und in
Zukunft
für den faulen Bauch nichts tun.
Soll er doch selbst
zusehen, wie er sein Essen bekommt
und wie er sich
bewegt. Ich jedenfalls tue nichts mehr.
Auge: Der Mund hat recht. Ich werde auch nichts mehr
für den Bauch tun.
Hand: Ich erst recht nicht.
Fuß: Ich auch nicht.
Kopf: Ich selbstverständlich auch nicht.
Mund: Großartig, jetzt wird es uns gutgehen. Den sind wir los.
Das sollten wir feiern.
(singt nach der Melodie „Dornröschen war ein schönes Kind“ und bewegt sich dazu,
die anderen Glieder stimmen ein und bewegen sich im Takt heftig mit)
„Den faulen Bauch, den sind wir los“ (mehrmals).
Oh, ich werde ja ganz schlapp!
Auge: Ich auch!
Ohr: Ich bin auch schlapp.
Kopf: Ich werde ganz müde.
Hand: Ich kann nicht mehr.
Fuß: Ich bin total k.o.
(Die Körperteile hängen herab)
(Pause)
Kopf: Vielleicht ist es doch falsch,
wenn wir dem Bauch
nichts zu essen geben.
Ohne Nahrung können
wir auch nicht mehr leben.
Hand: Vielleicht hast du recht.
Mund ruft: Hunger!
Leiter: kommt mit Keks: Ich bringe ja schon etwas.
(tritt aus Versehen auf den Fuß)
Fuß: Au, au! Du hast auf mein Hühnerauge getreten.
(Fuß jammert)
Leiter: Ach, lieber Fuß, das tut mir leid. Das habe ich
nicht gewollt.
Aber es ist nicht o schlimm,
gleich
kannst du wieder wie vorher laufen.
Mund: Ja, Fuß, gleich bist du wieder der Alte.
Dann
können wir alle wieder mit dir laufen und springen.
Hand: Und ich kann mit ihm zusammen auf
einen Baum klettern.
Ohr: Und ich höre da oben die Blätter rauschen.
Auge: Und ich gucke nach oben und seh‘ ein paar
schöne Äpfel.
Kopf: Und ich überlege, wie wir da hinkommen.
Hand: Und ich pflücke einen ab.
Mund: Und ich beiße rein.
Bauch: Au ja, und ich gebe euch allen was davon ab
–
übrigens, ich habe immer noch Hunger.
Mund (ruft): HUNGER! He, du wolltest uns doch etwas
zu essen geben.
Leiter: Ja richtig (steckt den Keks in den Mund). Bitte schön.
Mund: Der schmeckt aber gut!
Hand: Jetzt fühle ich mich gleich wieder besser.
Alle: Ich auch, ich auch.
Kopf: Ist doch gut, dass wir unseren Bauch haben.
Mund: Und am besten ist es, wenn wir alle zusammenhalten
und uns gegenseitig helfen,
dann fühlen wir uns
richtig wohl.
Alle:
(durcheinander) Das finde ich auch, das stimmt,
wir wollen zusammenhalten.
Mund: singt nach der Melodie „Dornröschen war ein schönes
Kind“:
1. Ein jeder kann was anderes.
2. Drum wollen
wir zusammen stehn.
(Alle singen und bewegen
sich mit)
Meditation
Liebe Schüler!
In dem Spielstück sind die Glieder des Körpers letztlich zu der Einsicht gekommen: Erst gemeinsam sind wir wirklich stark. Erst gemeinsam sind wir wirklich begabt. Erst gemeinsam eröffnet sich uns wirklich eine Fülle von Lebensmöglichkeiten.
Ich wünsche uns, dass diese Erkenntnis auch in unserem Zusammenleben Hand und Fuß bekommt; in der Schule, in der Familie, in der Gemeinde. Auch von uns wird jeder gebraucht, ist jeder ein unverzichtbares Glied in der Gemeinschaft der Christenheit. Und jeder, wirklich jeder, ist mit Begabungen ausgestattet, die er anderen zugutekommen lassen kann.
Ich kenne z.B. Leute, die die Gabe haben, für andere zum Ohr zu werden, die gut zuhören können, wenn andere Sorgen haben. Ich kenne Leute, die für andere zum Mund werden, die Fürsprecher sind für die, die sich schwer tun uns zu sagen, was sie bedrückt.
Ich kenne Leute, die für andere zum Fuß werden, die Dinge erledigen für die, die selbst nur schwer auf die Beine kommen.
Ich kenne Leute, die für andere zum Auge werden, die weitsichtig und umsichtig planen und organisieren können.
Ich kenne Leute, die für andere zum Bauch werden, die verdauen können, was anderen als Wut, als Ärger im Hals stecken bleibt. Ich kenne Leute, die für andere zur Hand werden, die zupacken und anpacken können, die für andere zum verlängerten Arm werden.
Ich könnte noch lange fortfahren. Doch, es ist wohl deutlich: Das Geheimnis einer christlichen Gemeinschaft besteht darin, dass alle Glieder sich in Dienst nehmen lassen, dass jeder seine unterschiedlichen Gaben einsetzt für den ganzen Körper. Davon werde ich diese Nacht träumen, und ich denke, es wird kein Alptraum wie
der, von dem ich eingangs berichtete. Doch an eurem Wissen von der Pfingstbotschaft „Keiner lebt für sich allein“, an eurem Zusammenleben in der Schule liegt es letztlich, ob mein Traum auch Wirklichkeit wird.
Lied und Aktionsteil
Während wir gleich das nächste Lied singen, wollen wir zeichenhaft zum Ausdruck bringen, dass wir eine große Gemeinschaft sind, dass keiner für sich allein lebt.
Ich habe hier ein dickes Wollknäuel, dessen Anfang am Kreuz auf dem Altar befestigt ist. Ich wickle nun ein Stück Faden ab, halte es mit der Hand fest und gebe das Knäuel weiter. Bitte lasst es durch die Reihen wandern, damit ein großes Gemeinschaftsband entsteht. Dadurch soll deutlich werden: Wir sind durch Christus miteinander verbunden. Wir sind viele Glieder, aber ein Körper. Wir haben
unterschiedliche Gaben, aber uns verbindet ein Geist.
(Bis zum Ende des Gottesdienstes bleiben
alle „miteinander verbunden“ stehen.)
Lied:
Einander brauchen
Fürbittengebet
Herr Jesus Christus.
Wir danken dir, dass du in uns die Ahnung wachhältst,
dass keiner für sich allein lebt.
Herr Jesus Christus
Wir danken dir,
dass wir mit Dir verbunden sind,
dass unser Leben nicht an irgendeinem seidenen Faden hängt,
sondern dass Dein Band der Liebe uns zusammenhält.
Wir bitten dich:
Schenke uns Ohren, die hellhörig sind für Sorgen
unserer Mitmenschen.
Schenke uns Füße, die uns zu denen tragen, die uns brauchen.
Schenke uns Augen, die den Nächsten und den Fernsten nicht
aus dem Blick verlieren.
Schenke uns Hände, die Schwächere auffangen und stützen.
Schenke uns Schultern, die die Lasten anderer ein wenig
mittragen können.
Alle unsere Bitten wollen wir einfließen lassen in das Gebet
unseres Herrn:
Vater unser
Segen
Der Herr segnet euch.
Er behütet euch.
Er blickt auf euch.
Er begleitet euch.
Amen.
Technik und Vorbereitung
Am zeitaufwendigsten ist die Vorbereitung des Körperspiels. Für die Herstellung der Pappfiguren (von einer 7. Klasse im Kunstunterricht gestaltet) benötigt man etwa 2 Stunden. Das Einüben des Zusammenspiels zwischen Sprechern und Körperteilen nahm ungefähr 1,5 Stunden in Anspruch.
Für die Herstellung der Körperteile ist zu beachten: Die Seitenansicht einer überdimensionalen menschlichen Figur wird aus folgenden Körperteilen zusammengestellt: Bauch, Kopf, Mund, Auge, Ohr, Arm mit Hand, Bein mit Fuß. Jedes dieser Teile wird aus möglichst großen Pappstücken (Kartons) geschnitten und in einer anderen Farbe angemalt. Je ein bis zwei Körperteile werden von einem Spieler gehalten und bewegt.
Dazu nehmen die Spieler am besten auf einer großen Stehleiter Platz. Mund, Auge und Ohr sind mit einem kurzen Bindfaden befestigt, so dass sie bei Erschlaffung regelrecht aus dem Gesicht fallen und wieder an ihren Platz gezogen werden. Der Text wird von zwei bis drei Sprechern vorgelesen, die hinter der Stehleiter sitzen. Das Körperteil, das jeweils redet, bewegt sich dazu. Der jeweilige Sprecher ruft es leise dazu auf, bevor er mit seinem Text beginnt.
Der Text der Übertragungen von 1. Korinther 12,12 ff stand auf einem überdimensionalen Briefbogen aus weißer Pappe. So konnte der vortragende Schüler den Text ablesen.
Für die Aktion am Ende des Gottesdienstes benötigt man ein Wollknäuel. Die Größe richtet sich nach der Anzahl der Gottesdienstbesucher und den örtlichen Kirchenraumgegebenheiten. Ungefähr 50 Gramm Wolle haben eine Lauflänge von etwa 100 Metern. Das eine Ende des Knäuels wurde vor Beginn des Gottesdienstes am Altarkreuz festgebunden.
Für jeden Schüler war ein Liedblatt vorbereitet, auf dem auch der Eingangspsalm 103 stand, der von den Schülern im Wechsel gesprochen wird.
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