Maulbeerbaum

Maulbeerbaum (nigra)

Sehr alter Morus nigra

Die Maulbeeren – es gibt zwölf verschiedene Arten – sind nahe mit den Feigen verwandt. In der Bibel wird eine der Arten erwähnt, und zwar die Schwarze Maulbeere (Morus nigra), deren brombeerähnliche Früchte vielfach verwendet werden. Ursprünglich heimisch im nördlichen Persien und an der Küste des Kaspischen Meeres, wurde die Schwarze Maulbeere schon lange vor Christi Geburt auch in das Land der Bibel gebracht.

Der in Vorderasien heimische Schwarze Maulbeerbaum kam schon sehr früh nach Europa. Er war bereits Theophrast und Plinius bekannt, und auch Horaz, Vergil und Columnella erwähnen ihn. In Pompeji findet sich eine bildliche Darstellung der Schwarzen Maulbeere.

Bei den Griechen war Morus nigra dem Pan geheiligt und galt als Symbol der Klugheit, da er seine Knospen erst entfaltet, wenn keine Kälte mehr zu befürchten ist. Plinius bezeichnet ihn deshalb als „sapientissima arborum“, den „Weisesten der Bäume“. Taoistische Priester sollen aus dem Harz des Pfirsichbaumes („Yang“) durch Mischen mit der Asche des Maulbeerbaumes eine Arznei hergestellt haben, die sie „Pillen der Unsterblichkeit“ nannten.

Seidenraupen vertilgen Blätter des Weißen Maulbeerbaums

Seidenraupen vertilgen Morus-alba-Blätter

Der Weiße Maulbeerbaum ist als Seidenraupen-Futterpflanze in Asien seit ungefähr 4.500 Jahren in Kultur, in Europa vor allem im Mittelmeergebiet seit dem 11. und 12. Jahrhundert. Aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden Maulbeerbaumpflanzungen angelegt.

Die ersten Pflanzungen Deutschlands dürften aus dem 16. Jahrhundert stammen. Zur Zeit Friedrich des Großen (1740–1786) gaben die hohen Preise der Rohseide Anlass, die Seidengewinnung auch nördlich der Alpen zu versuchen, so beispielsweise in Westpreußen, Schlesien und Brandenburg.

In Hannover wurden zur selben Zeit Pflanzungen angelegt, so unter anderem 1764 bei Celle, Herrenhausen, Pattensen und Koldingen. In Nürnberg und Regensburg versuchte man in den Jahren 1825–1837 die Maulbeer- und Seidenraupenzucht.

Nach J. Wilde (1936) hieß Morus alba in der Pfalz „allgemein“ Zwing-uff, da unter der Herrschaft des Kurfürsten Karl Theodor (1733–1799) die pfälzischen Bauern teilweise mit Gewaltmaßnahmen gezwungen wurden, den Weißen Maulbeerbaum anzupflanzen.

Biblischer Hintergrund

Im Lukas-Evangelium findet der Schwarze Maulbeerbaum im Zusammenhang mit dem Gleichnis von der Macht des Glaubens Erwähnung (Lukas 17,5–6):

Im ersten Buch der Makkabäer spielt die Schwarze Maulbeere im Zusammenhang mit der Kriegsführung eine Rolle (1. Makkabäer 6,34) . Vermutlich gab man den Elefanten keinen frischen, sondern einen vergorenen Saft, um sie in Unruhe zu versetzen. Von Bedeutung war darüber hinaus sicherlich auch die psychologische Wirkung auf die Gegner, die durch die blutrot gefärbten Rüssel und Stoßzähne der Kampfelefanten in Angst und Schrecken versetzt wurden.

Früchte des Weißen MaulbeerbaumsDie Weiße Maulbeere (Morus alba) wird in der Bibel nicht als Pflanze erwähnt. Erwähnung findet aber Seide. Der Seidenfaden wird von Raupen produziert, die sich ausschließlich von den Blättern der Weißen Maulbeere ernähren (Ezechiel 16,13).

Beschreibung Weißer Maulbeerbaum

Ein 10–15 m hoher, meist kurzstämmiger Baum mit sparriger, runder Krone.

Die Blätter sind sommergrün, 6–12 cm lang, breit-eiförmig, oberseits hellgrün und ziemlich glatt, Blattränder grob gezähnt und sehr verschieden gelappt.

Blüten und Blätter von Morus alba

Blüten und Blätter von Morus alba

Die Blüten sind eingeschlechtlich einhäusig. Die männlichen Blütenstände ährig, länglich, walzig, gestielt, die weiblichen sind nur halb so lang (5–10 mm). Aus den weiblichen Blütenständen entwickelt sich ein brombeerartiger Sammelfruchtstand. Die Früchte färben sich weiß, rosa oder purpurviolett, sie schmecken süßlich, sind aber sonst sehr fade.

Die ursprüngliche Heimat ist China. In Europa seit dem 11. und 12. Jahrhundert in Kultur. Die Nordgrenze für die Maulbeerkultur verläuft in Europa in Norwegen, ihr Schwerpunkt liegt heute am Nordsaum der Mittelmeerländer.

Beschreibung Schwarzer Maulbeerbaum

Früche und Blätter des Schwarzen MaulbeerbaumsEin bis zu 15 m hoher Baum, meist größer als Morus alba. Die Krone dicht gedrungen, mit kurzen, flaumig behaarten, hellroten Zweigen. Die Rinde ist graubraun und rissig.

Die Blätter sind sommergrün, wechselständig, 6–12 cm lang, 7–15 cm breit, derb, oberseits sehr rau, meist ungeteilt oder unregelmäßig gelappt, Rand grob gesägt, am Grunde ziemlich gleichseitig, abgerundet oder herzförmig.

Männliche Blütenstände sind etwa 2,5 cm lang, 1 cm lang gestielt; die weiblichen halb so lang, kurz gestielt oder fast sitzend.

Die weiblichen Blüten entwickeln sich zu 2–2,5 cm langen, brombeerartigen, purpurfarbenen bis schwarzvioletten Sammelfruchtständen. Die Fruchtreife beginnt Mitte Juli und dauert bis Ende September.

Ursprünglich heimisch in der Region vom Kaukasus bis nach Mittelasien, in Kleinasien, Südeuropa und Nordamerika eingebürgert. Auch in Deutschland in klimatisch begünstigten Gegenden, beispielsweise in der Pfalz. Stellenweise, etwa um Speyer, kommt die Art verwildert vor.

Verwendung

schwarze MaulbeereDie Früchte des Schwarzen Maulbeerbaums werden roh und gekocht gegessen, zu Gelee, Konfitüren, Saft und Sirup verarbeitet. Das Maulbeergelee schmeckt ausgezeichnet, und Maulbeersirup ist besonders bei Kindern sehr beliebt.

Maulbeersirup soll bei Fieber, Verdauungs- und Herzkreislaufstörungen sowie bei Entzündungen der Schleimhäute in Hals und Mundhöhle helfen.

Im Mittelalter stellte man aus den Früchten Maulbeerbaumwein her (Vinum moratum). Getrocknete Früchte mit nur noch 15 % Wassergehalt können recht gut gelagert werden, sie schmecken gut und färben stark. Der aus ihnen gewonnene Tee wird unter anderem zur Linderung von Mundhöhlenentzündungen eingesetzt.

Der intensiv rot gefärbte Fruchtsaft wird auch in der Süßwarenindustrie und bei der Weinerzeugung (zum „Schönen“) als natürliches Färbemittel eingesetzt.

Standort / Boden

Beide Arten lassen sich in unseren Gärten als Zierbäume verwenden, der Schwarze Maulbeerbaum auch als Nutzpflanze.

Der Weiße Maulbeerbaum ist auf Grund seiner Größe ein idealer Hausbaum für unsere doch meist kleinen Grundstücke. Grundsätzlich ist aber auch die Verwendung als Kübelpflanze möglich.

Der Standort sollte sonnig, warm und geschützt sein. In rauen Lagen sollte man auf Maulbeerbäume lieber verzichten. Hier bietet sich die Kübelpflanzenkultur mit frostfreier Überwinterung an. Als Böden werden nährstoffreiche und tiefgründige Böden bevorzugt.

Pflege

Der Maulbeerbaum reagiert empfindlich auf Staunässe und muss ein wenig gedüngt werden. Der üppig und stark wachsende Baum kann problemlos geschnitten werden.

 

Weitere Informationen zum Maulbeerbaum:

› Maulbeerbaum in der Bibel 

 

Literaturhinweise


  • Kawollek, Wolfgang; Falk, Henning: Bibelpflanzen - kennen und kultivieren. Eugen Ulmer KG. Stuttgart 2005
02622/120222
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