Reformation

Aus der Philosophie von Aristoteles abgeleitet meint „forma« nicht die äußere Gestalt, sondern das Wesen, das sich in der eigenen Gestalt ausdrückt. Reformation ist also die Wiederherstellung des eigentlichen Lebens, denn der Begriff ist ganz und gar nicht auf die Kirche beschränkt.

So erlebte das Frankfurter Stadtrecht 1509 eine Reformation. In der "Reformatio Sigismundi“ verurteilt der Kaiser 1439 die bäuerliche Leibeigenschaft. Der Ruf des Mittelalters nach Reformation will eine Veränderung des ganzen politischen aber auch kirchlichen Lebens: Joachim von Fiore und Franz von Assisi erstrebten eine Reformation. Die Konzile von Pisa (1409), Konstanz (1414-1418) und Basel (1431-1449) versuchten eine Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern.

Der Anschlag der 95 Thesen

1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen, in denen er Theorie und Praxis des Ablasshandels kritisierte. Luther übte außerdem Kritik an der Papstkirche, dem System der Sakramente und hielt daran fest, dass der Glaube des Einzelnen auf der Bibel basieren müsse. Die Bannbulle von 1521 bewirkte die endgültige Exkommunikation Luthers durch den Papst.

Auch wenn Luther selbst den Augenblick des Thesenanschlags (1517) als den Wendepunkt angesehen hat, so hat er für sich das Wort Reformation nie beansprucht: "Die Zeit dieser Reformation kennt allein der, der die Zeiten geschaffen hat." Positiv spricht er und da ist er im Amt – nur von der Reformation der Universität.

Auch Melanchthon ist vorsichtig im Gebrauch dieses Wortes, er beschreibt im Rückblick auf Luthers Leben sein Werk: "Durch Luther ist das Licht des Evangeliums wieder entzündet worden." Doch es ist Werk Gottes, dass die Kirche zu den Quellen zurückgerufen wurde. Luther hat zusammen mit allen anderen Reformatoren der Kirche nur ihre eigentliche Gestalt, ihr eigenes Wesen wieder zurückgeben wollen.

Der Religionsfrieden nach der Reformation

Philipp Melanchthon verfasste 1530 das Augsburger Bekenntnis. Es wurde auf dem Augsburger Reichstag vorgetragen und danach zur theologischen Grundlage der neuen lutherischen Kirche. 1555 wurde auf dem Augsburger Reichstag ein Religionsfrieden geschlossen. Er garantierte die Religionsfreiheit aller Herrscher Reformierte Kirchen der deutschen Staaten, wobei die Untertanen den Glauben des Herrschers annehmen mussten. Von nun an galt: "Cuius regio, eius religio." ("Wessen das Land, dessen die Religion."). Der Protestantismus war damit offiziell anerkannt.

Der erste, der für das Werk Luthers den Begriff Reformation gebrauchte, war Veit Ludwig von Seckendorf (1626-1692) in seiner Schrift: Commentarius historicus et apologeticus de Lutheranismo seu de reformatione (1688), verursacht war diese Schrift durch das Werk des französischen Jesuiten Louis Maimbourg "Historiographie du Lutheranisme" (1680).

Die Kirche heute

Gibt man den Thesenanschlag 1517 oder den Durchbruch der reformatorischen Erkenntnis 1513/15 an, so ist für die Kirchengeschichtler das Schlussdatum umstritten: Soll man Luthers Todesjahr oder das Melanchthons und Calvins annehmen? Vielmehr stellt sich die Reform der Kirche als eine immer andauernde ( ecclesia semper reformanda) dar.   

 

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